… Wer aber das Schauerlich-Romantische liebt, der wende sich nach dem zwölf Stunden von Gais entfernten Bade Pfäfers, und wage den Gang nach der Quelle auf schlüpfrigem Brete durch die Schlucht der schäumenden und tobenden Tamina, nackten Felsenwänden entlang, über Abgründen schwebend. – Er bewundere hier die Allmacht der Natur, und ihre Wohlthätigkeit an der Stelle, wo dem nackten Fels die warme heilbringende Quelle entströmt. Er staune sodann, in das Badgebäude zurückgekehrt, wie so wenig die Eigenthümer des Bades diese Wohlthätigkeit nachahmen, indem sie die dahin verbannten Kurgäste in unreinlichen, ärmlich meublirten Zimmern, bei schlechter Kost und schlechter Bedienung, ihre Zeit vertrauern lassen, und gar nichts thun, um den an sich düsteren melancholischen Aufenthalt in etwas erträglich zu machen. Da das Kloster Pfäffers, welchem das Bad als Eigenthum zugehört, bei dem starken Besuch desselben bedeutende Einkünfte daraus zieht, so ist nicht zu begreifen, wie man es selbst an dem Nothwendigsten, z.B. an geschlossenen, mit Fenstern und Thüren verwahrten Gängen für die aus dem warmen Bad vorübergehenden Gäste, an hinreichenden, wenn auch nur gewöhnlichen Mobilien, an Wäsche u. dgl. fehlen lassen kann. …
(Quelle: Gais, Weisbad und die Molkenkuren im Canton Appenzell; Fr. K. von Kronfels, 1826)