Neue Aufgaben des S. A. C. Ski-Hütte am Spitzmeilen
Es ist eine bekannte Tatsache, dass im schweiz. Hochgebirge, speziell in den Ostalpen, bereits so viele Clubhütten erbaut worden sind, dass es schwierig sein dürfte, weiterhin Gebiete zu entdecken, wo neue Hütten wirkliches Bedürfnis sind. Es ist nicht Sache des S. A. C., dort grosse Unterkunftslokalitäten oder Berghotels mit schwerem Gelde zu erstellen oder zu subventionieren, wo Bummler und Vereine häufig hingelangen. Mit diesen sogenannten Hütten sollte der S. A. C. einmal abfahren, d.h. er sollte sie verkaufen. Dadurch würden neue Mittel für spezifisch alpine Zwecke flüssig. Auch ist mit dem stetigen Anwachsen des S. A. C. die finanzielle Kraft grösser geworden; Geld ist genug vorhanden, um an neue Aufgaben herantreten zu können.
Nachdem der Skisport festen Fuss in der Schweiz gefasst und dem Alpinismus das Mittel gegeben hat, auch im Winter, wo uns Bewegung wie im Sommer nottut, das Gebirge zu durchwandern, hat dieser Sport auch ein Recht darauf, vom S. A. C. kräftig unterstützt zu werden.
Für Winter-Hochtouren fehlte bis jetzt gute Unterkunft. „Triele“ genügen nicht. Auch die bestehenden Clubhütten sind nicht für Winterdienst eingerichtet, deren Zugänge sind meistenteils lawinengefährlich oder die umliegende Gegend eignet sich nicht für den Skilauf.
Es müssen also Ski-Schutzhütten dort im Hochgebirge erstellt werden, wo flacheres, welliges Terrain oder lange Pässe den Sport begünstigen. Die Zugänge zu den Hütten müssen lawinensicher sein. Der Standort sollte windgeschützte, sonnige Lage haben. Wasser in der Nähe erspart das „Schneeschmelzen“. Technisch ist vor allem eine Bauart anzuwenden, die rasches und gutes Heizen gestattet, gegen Aussen-Temperatur gut isoliert ist und wenig Raum beansprucht. Die Entfernung von den nächsten bewohnten Ortschaften sollte der kurzen Tage wegen 6-7 Stunden nicht übersteigen.
Alle diese Vorteile würde eine Ski-Hütte beim Spitzmeilen bieten! Die Berge des St. Galler Oberlandes zwischen Sernft- und Seeztal mit dem Spitzmeilen als Mittelpunkt bilden eine ideale Gegend für den Skilauf.
Schon 1896 korrespondierte der Ski-Club Glarus lebhaft mit den Herrn J. B. Stoop und Spörry, den besten Skiläufern der Sektion Piz-Sol wegen Erstellung einer Hütte in jener Gegend. Die beiden Herren hatten die Freundlichkeit, diesbezüglich Recognoszierungen zu machen. Ihr Bericht lautete dahin, dass auf dem „Mad“, 1 km. NO. Spitzmeilen (2200 m), ein guter, aber schattiger Platz mit Wasser, auf der Terrasse hart östlich Spitzmeilen, ein geschützter, sonniger Platz (2250 m), aber ohne Wasser, vorhanden sei. Schliesslich wurden all‘ die kühnen Pläne begraben – das nötige „Moos“ fehlte.
Die Sache muss aber doch kommen, die Idee hat seither gewaltig an Boden gewonnen.
Es lassen sich hauptsächlich folgende lohnende Tracé von der neuen Hütte aus festlegen:
Schönbühlpass-Krauchtal, Magereufurkel-Mühlebachtal oder Widersteinerfurkel-Murgtal, Vanseralp-Lauifurkel-Weisstannen, Vanseralp-Kohlschlagfurkel-Mels, Vanseralp-Willenbützfurkel-Siez, Fursch-Banüöl-Brod-Flums, Fursch-Leist-Seewen-Unterterzen.
Alles Strecken von 10-25 km mit wunderbaren Abfahrten. Wo trifft man wieder so günstige Bedingungen!
Wie man vernimmt, gedenkt die Sektion Piz Sol als Ski-Nachtlager ein Triel auf Fursch einzurichten. Niemals wird ein solches Triel die hygienischen Vorzüge einer guten Hütte erreichen. Auch der abgehärtetste Skiläufer riskiert bei einer Minus-Temperatur von 20-30° Celsius, wie sie im Schattenloch Fursch herrscht, seine Gesundheit auf’s Spiel zu setzen. Besser ist es, das Geld für etwas Rechtes zu sparen.
Warum sollten die Sektionen Piz Sol – Tödi – Uto – St. Gallen mit kräftiger Mithülfe des C. C. nicht sofort Hand an’s Werk legen und eine gut eingerichtete Skihütte am Spitzmeilen bauen, die allein ein grossartiges Gebiet für den Wintersport eröffnet!
Die Sektion Piz Sol wird gewiss gerne die Bauleitung übernehmen, sie wird ihre Aufgabe wie immer vorzüglich lösen.
Fortschrittliche Arbeit wird den S. A. C. heben. Fortschritt ist es, wenn wir die neue Richtung, den Wintersport im Gebirge, tüchtig fördern helfen. Lassen wir uns nicht vom Auslande hierin überholen.
Drum frisch an’s Werk!
(Quelle: Christoph Iselin: Neue Aufgaben des S. A. C. Ski-Hütte am Spitzmeilen. In: Alpina 1903, S. 97f.)
Stellungnahme in Rücksicht auf die Anregung einer Wintersporthütte für Skifahrer in der Gegend des Spitzmeilen
Besprechung bezüglich der Stellungnahme der Section in Rücksicht auf die Anregung einer Wintersporthütte für Skifahrer in der Gegend des Spitzmeilen.
Das Comité der Section ersucht mit gegenwärtigen die Herren, welche sich schon früher mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen Gelegenheit hatten, in freundlicher Weise, durch Ihre Anwesenheit zur Abklärung dieser Frage freundl. beitragen zu wollen und zählt ganz sicher auf ihr Erscheinen an obiger Zusammenkunft, welche für diesen Zweck eigens nach Flums verlegt wurde.
Mels, 24. Juni 1903
(Quelle: Protokoll der Sektion Piz Sol: Einladung zu einer erweiterten Comité-Sitzung Dienstag 30. Juni [1903] Abends 1/2 8 Uhr im “Löwen” in Flums)
Kurzer Überblick über das bis jetzt in Sachen der Winterschutzhütte am Spitzmeilen Geschehene
Praesident Neher begrüsst in seiner Anrede die Versammlung und giebt einen kurzen Ueberblick über das bis jetzt in Sachen der Winterschutzhütte am Spitzmeilen Geschehene:
Unter dem Titel “Neue Aufgaben des S.A.C. – Ski-Hütte am Spitzmeilen.” erschien mit Unterschrift “Iselin” in Alpina No. 9 pro 1903 ein Artikel der sehr lebhaft dafür eintritt dass sich der Schweizer Alpenclub des Skisports kräftig anzunehmen habe, dass Ski-Schutzhütten angelegt werden sollen. Als sehr geeigneter Ort für eine solche Skihütte sei die Gegend um den Spitzmeilen zu nennen, eine Gegend, die geradezu ideal sei für den Skilauf. Schon 1896 habe der Skiklub Glarus lebhaft mit den Herren J. B. Stoop & Spoerry, den besten Skiläufern der Section Piz Sol wegen Erstellung einer Hütte in jener Gegend korrespondiert. Jetzt erfahre man, dass die Section Piz Sol als Ski-Nachtlager ein Tril auf Fursch einzurichten gedenke. Nun wolle man stattdem eher den Bau einer Clubhütte an Hand nehmen. – Auf diesen Artikel folgten weitere Besprechungen dafür & dagegen in der Alpina von Herren “St.” & von Herrn “Kempf”, Section Bern. – Herr Praesident Neher sagt nun, dass auf diese Artikel hin die Section Piz Sol gedrängt sei unverzüglich Stellung zu nehmen und ersucht die anwesenden Herren Ihre Ansichten über die Angelegenheit auszusprechen. Die Discussion verliert sich in allgemeine Begründungen der Skihütte an sich, in die Vorzüge der Gegend um den Spitzmeilen und Hin- & Widerrede ob das Sectionscomité oder ein eigenes Initiativcomité, wie es Herr Neher anregt in der Sache agitieren soll. Da niemand in dem Initiativcomité sein will verliert es sich wieder und man kommt endlich zu dem Entschlusse, das Sectionscomité möge vorläufig beim Centralcomité Sondierungen über die dortige Stimmung vornehmen und dann auch in diesem Sinne durch ein Circular an alle Sectionen des S.A.C. gelangen. Vorläufig werden als Kostensumme an Fr. 5000 genannt, dann aber sofort auf Fr. 6000 angesetzt.
Der Aktuar H. Bernold Ing.
(Quelle: Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Erweiterte Comité-Sitzung am 30. Juni 1903 im Löwen in Flums. Anwesend: Neher, Spoerry, Knecht, Stoop, Wenner, Haeberlein, Bernold)
Skiunterkunftshütte am Spitzmeilen
Praesident Neher giebt Bericht über die letzte Versammlung in Flums. Die anwesenden Mitglieder stellen sich zu der Angelegenheit günstig und beschliessen von ihrer Seite kräftige moralische Unterstützung; gegen grössere finanzielle Handbietung mussten sie sich bei dem schlechten Stande der Kasse wohl oder übel verwahren. Herr Praesident berichtet bereits, dass er indessen mit dem tit. Centralcomité in Verbindung getreten.
(Quelle: Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Comité-Sitzung am 7. Juli 1903 im “Schäfli” in Mels)
Zur Clubhütte beim Spitzmeilen
Der Alpensport im Winter, namentlich mit Benutzung der norwegischen Schneeschuhe, hat auch in der Schweiz im letzten Jahrzehnt eine rasch zunehmende Verbreitung gefunden und weist in Zermatt, Bern, Glarus, Davos und Engadin bereits ansehnliche Vereinigungen auf. In der Schweizer Armee wird der Ski bei den Gotthardtruppen benutzt. Der Skisport hat seine Berechtigung, wie kaum einer, in idealer, gesundheitlicher und praktischer Beziehung und wer sich ihm ergeben, bleibt ihm treu. Bei tiefem Schnee, unter dem alle Widerwärtigkeiten des Terrains, Stock und Stein und Sumpf, verschwinden, bei stärkender Winterluft, von Hitze und Schweiss und Staub unbelästigt, mit viel weniger Anstrengung als im Sommer die höchsten Pässe zu überwinden, ja die obersten Gipfel zu erreichen, die im Winter wunderbar reine, oft wolkenlose Aussicht zu geniessen und nachher fast mühelos in sanftem, sausendem Flug zu Tale zu schweben, ist das eine Lebenslust, ein Impuls zum Leben und Schaffen! Der praktische Nutzen der Skier, bei Unglücksfällen, zur Aufsuchung und Hülfeleistung, zum Transport, zur Berichterstattung u.s.w. sei hier nur kurz angedeutet.
Es liegt in der Natur des Skisports, dass es vorzüglich Mitglieder der Alpenvereine sind, die diesen Sport pflegen und ausbreiten. Es scheint deshalb als gegeben, dass auch der Schweizer Alpen-Club als Verein sich damit beschäftige.
In der Ostschweiz waren von Anfang an die weiten Alpenterrassen des Schilztales ein bevorzugtes Gebiet für Skifahrer, sogar für ausländische, wegen der überaus günstigen Bodengestaltung und der Nähe der Station einer Hauptbahn. Gleichwohl war die Ersteigung einer Höhe von 1500-2000 m (Flums 444, Mad 2200, Spitzmeilen 2507 m) samt Rückweg an einem Tag eine zu grosse Aufgabe, weshalb schon im Jahr 1896 der Wunsch nach einer am Vortag erreichbaren Unterkunft ausgesprochen wurde. Die Alpgebäude eignen sich für den Winteraufenthalt aus mehrfachen Gründen nicht. Als in jeder Beziehung bestgelegen für eine Winterclubhütte wurde die Umgebung des Spitzmeilen, in dem überaus formen- und gipfelreichen Grenzgebiet zwischen St. Galler- und Glarnerland, am Ausgangspunkt von 4 oder 5 Alpentälern, Schilztal, Weisstannental, Krauchtal, Mühlebachtal und Murgtal, erkannt, und zwar das Matossa-Mad, die grosse Hochebene (2100 – 2300 m) nördlich vom Spitzmeilen. Das Mad ist von der Eisenbahnstation Flums aus bis zur ständig bewohnten Telephonstation Bruckwite (1000 m) im Schilztal auf guter Fahrstrasse, von da bis zur Alp Wiese (1150 m) oder noch weiterhin auf fast immer gebahntem Fahrweg, endlich durch die Alp Matossa mit mehreren Staveln bei günstigen Verhältnissen in 5 Stunden erreichbar. Der Bauplatz auf dem Mad ist erst nach genauen Beobachtungen im nächsten Winter endgültig zu bestimmen. Man fand zuerst Punkt 2200 m am Madsee am geeignetsten. Seither wurde eine Stelle am Rand der Hochebene, etwa 2100 m, wo man die Hütte auf dem ganzen Weg sehen könnte und von wo aus man eine schöne Aussicht hätte, in Vorschlag gebracht. Haupterfordernis ist gutes Quellwasser.
Vom Mad aus lassen sich folgende, nach Höhen und Längen mässige Halbtag- bis Ganztagfahrten ausführen: Fursch-Banül-Prod-Flums oder Banül-Camperdun-Flums; Fursch-Sexer-Terznerseen-Quarten-Unterterzen; Fanz-Kohlschlagfurkel-Mädems-Wildenberg-Flums oder Kohlschlag-Tamuns-Mels; Fanz-Lauifurkel-Calansmad-Tamuns-Mels; die Wege ins Weisstannental, sowohl durch die Lauifurkel als durch die beiden Siezfurkeln, ebenso ins Krauchtal sind nur bei lauesicherm Schnee ratsam; ferner Schönbühl-Krauchtal-Matt, Weissmeilen-Mühlebach-Übelis-Engi, Weissmeilen-Mühlebach-Erdiskamm-Schattenkamm-Murgseen-Murg oder Murgseefurkel-Mürtschenalp-Merenalp-Obstalden-Mühlehorn oder Mürtschenalp-Spanneck-Talalp-Filzbach-Wesen oder Plattenalp-Frohnalp-Kennel-Mollis oder Frohnalp-Ennetberge-Glarus u.s.w., also eine grosse Auswahl. Von Bedeutung ist, dass der grösste Teil dieser Wege lauensicher ist, ferner, dass die meisten auch für Anfänger des Skisports geeignet sind, und besonders hervorzuheben ist, dass von jedem Punkte für den Notfall, Ermüdung, Verspätung u. dergl. in kurzen Entfernungen mit Brennholz und Lagerheu versehene Alpgebäude erreichbar sind.
Die Hütte auf dem Matossa-Mad wird aber nicht nur dem Wintersport dienen, sie wird auch im Sommer eine der besuchtesten Clubhütten werden, im Mittelpunkt von 4 oder 5 schönen Alpentälern und einer grossen Anzahl Gipfel von 2500-2528 m gelegen, ich nenne Spitzmeilen, Weissmeilen, Magerrain, Culma, Breitmantel, Leist, Sexmor, Zieger, Maschkenkamm, Prodkamm, Rinderhörner, Weissgandstock, Rieseck, Fauleck, Schnürligrat, Guli, Walenkamm, Weissenberg, Guscha, Guldernstock, Coccaia, Ruchsitenstöcke, Rottor u.s.w.
Das Gebiet, zur Glarner Doppelfalte gehörig, ist für den Geologen ausserordentlich lehrreich, indem vom quarzreichen kristallinischen Melser Mühlestein an, der schon als Grauwacke angesprochen wurde, die mächtigen Schichten des Rotsteins, Verrucano, Sernifit, Quartner Schiefer, dann Fanzkalk, Dolomit und alle Juraformationen zu Tage treten. Gerade die nächste Umgebung des Mad bietet in geologischer Beziehung eine Abwechslung, wie ich keine zweite kenne. Eine besondere Sehenswürdigkeit sind die mächtigen Gypslager am Weissmeilen und Gypsgrat mit ihren phantastischen Auswitterungen und die Versteinerungen am Magerrain.
Für Botaniker und Blumenfreunde ist der Pflanzenreichtum der Gegend, namentlich der nächsten Alp Fursch weitbekannt; Alpenrosen in unerschöpflicher Fülle, seltene rote und weisse Gentianen, Azaleen, Edelweiss, fast alle Arten Anemonen, auch die gelbe, u.s.w.
Erwähnenswert ist auch, dass von der Clubhütte auf dem Mad die Sardonahütte, die Segneshütte und die Muttseehütte je in einer schönen Tagreise erreichbar sind.
Das ist nun alles recht und schön und gut, aber wer zahlt die neue Clubhütte? Die gleichen, welche die vielen andern Clubhütten in der Schweiz bezahlt haben, das meiste der Schweizer Alpen-Club, dann die ostschweizerischen Sektionen besonders und vielleicht bringen noch einige Alpenfreunde persönliche Opfer.
Also auf zur Clubhütte am Spitzmeilen! Weihen wir hier eine weitere Stätte für den Kultus unserer im farbenfreudigen Sommerflor wie im weissen Wintergewand, allezeit wunderschönen Allmutter Erde!
(Quelle: Johann Baptist Stoop: Zur Clubhütte beim Spitzmeilen. In: Alpina 1903, S. 132f.)
Skisporthütte am Spitzmeilen
Von den Herren Iselin, Spoerry, Stoop giengen eine Menge drängender Briefe ein als wäre Rom an einem Tage zu bauen. Vom Centralcomité, resp. dessen Referenten Herr End gieng eine Antwort ein, die eine Unmasse Bedenken gegen den Bau einer solchen Hütte vorbrachte dagegen doch betonte, dass das Centralcomité der Sache prinzipiell zugetan sei. – Von Flums-Grossberg liegt unter dem Datum des 20. Juli folgendes Schreiben vor:
An das Comité der Section Piz Sol d. S.A.C. Mels
Unsere Bürgerversammlung von gestern hat Ihrem Gesuche vom 14. dies Monats betr. unentgeltliche Abtretung des Bauplatzes für eine Clubhütte auf dem “Mad” entsprochen & kann ein bezüglicher gemeinderätlicher Kauf gefertigt werden.
Hochachtend
Namens des Verwaltungsrates
dessen Aktuar: ing. Manhart
Beschlussfassung über Einberufung einer ausserordentlichen Versammlung behufs Entscheidung in der Angelegenheit der Winterschutzhütte am Spitzmeilen. Man will noch vor einer solchen Versammlung die Circulare an alle Sectionen des S.A.C. ergehen lassen.
(Quelle: Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Comité Sitzung am 20. Juli 1903 im Schäfle in Mels)
Bericht von Herrn Neher über Recognoscierung, Feststellung & Vermarckung des Hüttenplatzes am Matossa-Mad.
Herr Praesident Neher hatte sich allein vom Comité die Mühe genommen mit den Herren Spoerry & Stoop an Ort & Stelle zu gehen & war des Lobes voll über die Auswahl des Hüttenplatzes & des Ski-Gebietes, das die Hütte beherrschen soll. Der Aktuar wird beauftragt für die bevorstehende ausserordentliche Versammlung eine Uebersichtskarte mit Einzeichnung der möglichen Touren vom Spitzmeilen aus zu besorgen. Die Versammlung wird auf den 2. August im Hotel Thoma Sargans angeordnet.
(Quelle: Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Comitésitzung am 28. Juli 1903 im Schäfle in Mels)
Haupttraktandum: Die Winterschutzhütte am Spitzmeilen
Das Haupttraktandum für die Komiteesitzungen stellte die Winterschutzhütte am Spitzmeilen. … wurden zur Aufklärung der Frage an das tit. Zentralkomitee und alle Sektionen des S. A. C. Zirkulare versandt. Über die Finanzierung des eventuellen Baues wurde allseitig eine rege Korrespondenz geführt. … Nach Annahme einer Subvention durch den S. A. C. im Betrage von Fr. 3500 laut Beschluss der Delegiertenversammlung, nach Zusage von Unterstützungen durch eine Anzahl Sektionen und Vereine und nach bedeutenden Zusicherungen von privater Seite, wurde an den Bau der Skihütte gegangen. Unter Leitung eines Baukomitee durch Herrn Spörry-Jacob in Flums kam der Bau glücklich zu stande, und steht die Hütte heute fix und fertig zur Einweihung bereit. …
(Quelle: SAC Jahrbuch 1903)
Einweihung der Winterschutzhütte am Spitzmeilen am 26./27. Dezember 1903
Brausend fuhr der Mittagzug in die kleine Station Flums sein. Unzählige Skifahrer boten uns die Hand zum Grusse und aus allen Wagen des Zuges entstiegen immer neue Bergsteiger. Ski-Heil, tönte es von allen Seiten! Kräftige Flumser, Einheimische, entwanden uns sanft die Last der Skier und Rucksäcke. Und nun auf, leichtfüssig und lastenfrei, zur neuen Hütte! – So war’s aber nicht! Ich dachte mir’s bloss so im fliegenden Bahnzuge. Fünf Skifahrer waren wir nur und ein freundlicher Herr in Zivil empfing uns. Wir hatten uns zu den Faulen gesellt. Mit dem Frühzuge waren die „Richtigen“ schon eingerückt und der Skiclub Glarus verschmähte sogar Bundesbahnhülfe und fuhr auf Skiern durch’s Mühlebachtal über die Lücke nördlich des Weissmeilens zur Hütte.
Alle diese Herren trafen wir höchst fröhlich zusammen endlich um sieben Uhr abends, schon eingehüllt in ein nettes Räuchlein und Veltlinerdüftchen. Was nun weiter geschah, unterschied sich wohl wenig von ähnlichen Festen. Glückwunschtelegramme wurden verlesen, alle verdienstvollen Männer gepriesen und die tausend sich vertretenden Vereine begrüsst, welche dem Rufe der einladenden Sektion, meistens inoffiziell allerdings, gefolgt waren. Es waren ihrer nicht wenige: Vertreter des Zentralkomitees S. A. C., Skiklub Glarus, Zürich und Bern, Akademischer Alpenclub Zürich, von Sektionen des S. A. C. Uto und Basel, Rorschach und Tödi, Rhaetia und Altels, Lägern, Winterthur, Bachtel, Hoher Rohn und St. Gallen und vielleicht noch einige andere.
Herrliches Wetter beglückte uns alle am folgenden Morgen und männiglich zog aus, eine der umliegenden Spitzen zu erklimmen und trotz des schlechten, arg verharsteten Schnee’s und der „Mugelgesellschaft“ rings umher, fühlte wohl jeder auf diesen freien Höhen sich wohler als in den muffigen Räumen „eines“ Museums, vielleicht sogar auch jener, den unseligen Gilkas unheilige Kräfte beinahe zermalmt. Gegen Mittag rückten alle die stolzen Sieger wieder ein, und vor versammeltem Volke, 30 Mann, fand der feierlichste Einweihungsakt statt, draussen vor der Hütte im warmen Sonnenschein, 2090 m hoch und am 27. Dezember! Nicht so feierlich aber ebenso gut gelungen war das Mittagessen, nota bene: drei Gänge, Torte und Früchte!
Im Laufe des Mittags wurde es allmälig stiller. Friedlich und recht sehr vorsichtig gingen einige zu Fuss dem gut ausgetretenen Wege nach, über Matossa und Wiesen hinunter, nach Flums. Zünftiger war das Gros der Feiernden, das wählte die Route Fursch-Banüöl-Brod zum Abstieg. Aber es war eine lange Reihe verschieden geübter Künstler, und es wurde Abend und es wurde neblige Nacht bis die Herrn unterhalb Brod waren. Manch‘ eine alte Wettertanne soll höchst vergnügt drein geschaut haben ob dem neumodischen Treiben und den gar seltsamen Worten, die damals von des heiligen Fridolins Söhnen gesprochen wurden, wie stets lauschende Fama berichtet. – Unser vier waren wir in der Hütte zurückgeblieben, und es war still und einsam dort oben geworden, wie es sich zu Winterfreuden geziemt. Mit Musse richteten wir die Hütte wieder ein, bis auch das Tüpfelchen auf dem i nicht mehr fehlte und freuten uns herzlich an den vielen guten Eigenschaften der Hütte. – Eines vor allem ist erfreulich. Nicht grübelndem, ängstlich fürchtendem Sinn verdankt sie, dass sie schon jetzt so froh und einladend über dem einsamen Waldtal tront, nein, jugendlich frischem kühnem Geist, der wohl klug überlegt, aber auch schnell und vertrauend handelt. Besser als Worte illustrieren dies folgende Daten:
26. Juli 1903
Die Versammlung der Sektion Piz Sol beschliesst prinzipiell, die Hütte zu bauen.
14. September 1903
Beschluss der Delegiertenversammlung in Pontresina, den Hüttenbau mit Fr. 3500 zu subventionieren.
26. September 1903
Bestimmung des Hüttenplatzes
1. Oktober 1903
Vergebung der Arbeiten an Zimmermeister Nadig in Flums
5. Oktober 1903
Beginn der Fundamentierungsarbeiten
14. Oktober 1903
Holzkonstruktion auf dem Zimmerplatz vollständig aufgerichtet
8. November 1903
Hütte an der Baustelle aufgerichtet und zum Teil eingedeckt und eingewandet
21. November bis 2. Dezember 1903
Unterbruch der Arbeiten wegen schlechten Wetters, Schneefall
20. Dezember 1903
Hütte bezugsfähig, Inventar an Ort und Stelle
26./27. Dezember 1903
Einweihung!
Damit ist wohl ein Rekord im Hüttenbauen geschaffen, wie ich stolz melden darf; denn, obschon Mitglied der Sektion Piz Sol, bin ich vollständig unschuldig daran. Das Verdienst gebührt in erster Linie und in höchstem Mass Herrn Heinrich Spoerry-Jacob, welcher mit unermüdlichem Eifer die Bauleitung besorgte und alle Arbeit, welche diese brachte, auf sich allein nahm. Anerkennung verdient auch die Energie des Zimmermeisters Herrn Nadig und seiner Leute.
Die Hütte ist, mit Ausnahme des Vorbaues, genau nach den Plänen der Mischabelhütte des A. A. C. Z. gebaut. Auch im Inventar stimmen beide Hütten überein. Eine genauere Beschreibung dieser Hüttenkonstruktionen wird von berufener Seite später erfolgen. Ich erwähne hier nur, dass alle Festbesucher von der Hütte in jeder Beziehung einen sehr guten Eindruck bekommen haben, man hörte wenigstens nichts anders als uneingeschränktes Lob.
Die Hütte ist in allererster Linie als Winterschutzhütte zu betrachten (sie ist natürlich reichlich mit Holz versorgt) und soll als solche dem jungen Skisport dienen. Diese Aufgabe erfüllt sie in idealer Weise. Leicht erreichbar in fünf Stunden, von einer Eisenbahnstation auf stets ungefährlichem Wege, und mitten in einem herrlichen Skigebiet. Der Hauptzugang, das bei Flums mündende Schilsbachtal, ist deswegen schon so günstig, weil bis Wiesen und meistens sogar bis Matossa auch im Winter gebahnter Weg vorhanden ist. Von Wiesen bis zur Hütte braucht man normal 2-3 ½ Stunden, die Lawinengefahr ist so gering, wie sie überhaupt nur sein kann in alpinen Gebieten. Von Ober-Matossa an geht man südlich der Hänge des First P. 2058 hinauf bis man oberhalb der Köpfe ist, in welchen das Plateau abbricht, auf dem die Hütte steht. An dessen östlichem Rand geht man SSE und findet die Hütte hart am Absturz, zwischen den beiden nördlichen Wasserläufen (im Winter allerdings verschneit, es ist eine Wegmarkierung mittelst Stangen projektiert), welche von Mad herunterkommen. – Schon die nächste Umgebung eignet sich trefflich zu Skiübungen, prächtig aber vor allem sind die Ausflüge, ich skizziere nur:
1. Hütte-Lücke zwischen Weissmeilen und Spitzmeilen-Weissmeilen und zurück in die Lücke, von da prachtvolle Abfahrt bis zur Hütte (ganze Tour zirka 2 Stunden) oder die Tour weiter ausgedehnt von der Lücke an der Westseite um den Spitzmeilen herum, auf dessen Südseite und von dort auf den Gipfel, über Schönegg zurück zur Hütte 3-4 Stunden.
2. Wer diese Tour ohne Gipfelbesteigungen zu machen wünscht, der kann von der Lücke über Schönbühl prachtvoll abfahren zum Schönbühlpass, Lücke bei P. 2214 und über Schönegg und Mad und zurück zur Hütte, 3-4 Stunden.
3. Hütte-Fursch-Leist und nahezu immer auf dem Kamm, Breitmantel-Mütschüölergulmen-Erdisgulmen-Abendweid-Hütte, 5-6 Stunden.
4. Hütte-Lücke nördlich Weissmeilen-Obere Kämme und Lücke zwischen Magerai und Goggeien-Magerai-Erdis-S W Grat des Erdisgulmen-Erdisgulmen-Abendweid-Hütte, 5-6 Stunden.
5. Hütte-Schönegg-Unterwillenbützfurggel-Weissgandstöckli-Unterwillenbürzfurggel-Risegg-Faulegg und Schafvans-Schönegg-Hütte, 5-6 Stunden.
Prachtvoll und mannigfach sind die Talfahrten, ich skizziere wieder: vier Abstiege nach Flums.
1. Durch’s Schilsbachtal: vom First statt direkt nach Obermatossa besser und viel schöner, falls ungefährlicher Schnee, unter den Köpfen Traversieren bis zum Kreuzbühl und dann über Krummen nach Wiesen.
2. Über Fursch-Banüöl-Brod. Dies ist die schönste Abfahrt. Auf Fursch fahre man nicht bis zu den Hütten ab, sondern halte sich an der Berglehne, man vermeidet so die Gegensteigung vor Banüöl. Schöne Abfahrt von Banüöl bis Brod, aber ja nicht allzusehr absteigen. Auf Brod empfiehlt es sich sehr noch zum Brodkamm anzusteigen, von dort geniesst man dann eine ununterbrochene herrliche und selten schöne Abfahrt bis nach Flums. (1600 m Höhenunterschied)
3. Ebenfalls empfehlenswert ist es von Banüöl zur Schlune 1960 m anzusteigen und über Molseralp und Tannenboden nach Flums zu fahren.
4. Über Vans zur Kohlschlagfurggel und oberhalb Gadims zur Plattisegg, über die Mädemseralp nach Wildenberg-Flums oder von Gadims durch’s Kohlschlagtal nach Mels.
In’s Glarnerland hinüber sind zwei Routen möglich.
5. Durch’s Krauchtal und
6. Durch’s Mühlebachtal.
Bei nebelfreiem Wetter von höchstem landschaftlichen Reize sind die Abstiege nach dem Walensee.
7. Von Fursch zwischen Leist und Breitmantel nach Krümmelbäch-Munz-Tobelwald-Murg.
8. Von Fusch-Lücke zwischen Leist und Zieger-Grub-Seewen-Stalden-Unterterzen.
Weniger in Betracht kommt ein Abstieg ins Weisstannental,
9. Lauifurggel, entweder durch’s Lauibachtal oder über Klein Gadims und Galanser Alp nach Weisstannen.
Wer immer die Hütte besucht, wird befriedigt über ihre Lage sein und selbst jene, welche dem Projekt einst feindlich gegenüberstanden, werden sich bei einem Besuch bekehren.
Diese neue Skihütte soll ja nur ein Versuch sein. Seine Bedeutung wird erst die Zukunft deuten lassen. Klug hat der S. A. C. gehandelt, als er die Interessen der Skifahrer zu den seinen machte; neue grosse Kreise wird er sich dadurch gewinnen. Nur Neid der Alternden, Kurzsichtigkeit und Unkenntnis, können in den Skiclubs Konkurrenten des S. A. C. sehen. Wenn der S. A. C. die betretene Bahn vorwärtsschreitet und der Jugend entgegenkommt, dann wird er auch in Zukunft Herr alpiner Angelegenheiten in der Schweiz bleiben und braucht sich weder einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben noch sich zum Verkehrsverein zu entwickeln. Mögen selbst einmal alle Gipfel und alle denkbaren Anstiege gemacht sein und Hunderte von Hütten stehen, um die Berechtigung der Existenz brauchen wir nicht bange zu sein; denn im S. A. C. sind wir, und wollen es bleiben, Naturfreunde, von denen jeder nach seiner Weise in die Berge geht, einzig und allein, weils uns freut und das denke ich, ist Zweck genug, wir brauchen keine neuen Ziele.
(Quelle: Robert Helbling in: Alpina 1904, S. 16ff.)

Der erste Winter der Spitzmeilenhütte
Heisse Sommerglut lagert über Berg und Tal. Überall grünendes und blühendes Leben des Sommers, bis auf die höchsten Kämme grüssen uns farbenfrohe Blumen. Ein unendlicher Schwarm Touristen, vielerlei Volk, zieht hinauf auf unsere Berge. Doch mitten in dieser sommerlichen Pracht, mitten in diesem frisch bewegten bunten Leben, erwacht in uns manchmal stilles Sehnen nach jenen einsamen schweigsamen Stunden, die wir vergangenen Winter auf der schneebedeckten Fläche am Fusse des Spitzmeilen verlebt haben. Wie Heimweh will es uns erfassen, wenn wir der prachtvoll verschneiten Wälder des Schilstales, der weissen schneeigen Hänge gedenken, wenn wir uns erinnern an die sausenden Abfahrten von so manchem Gipfel, an die fröhlichen Stunden, die wir abends in der schönen Hütte verlebt mit lieben Freunden, wenn draussen Winterstürme tobten, oder am schwarzglänzenden Himmel der stille Mond seine Bahnen schritt. Fürwahr köstliche Freuden, köstliche Genüsse.
(Quelle: Robert Helbling und Heinrich Spoerry: Der erste Winter der Spitzmeilenhütte. In: Alpina 1904, S. 156)
Sektion Piz Sol. Da die Spitzmeilenhütte einen enormen Zuspruch hatte, und die Ordnung manchmal alles zu wünschen übrig liess, wurde im Berichtsjahr ein ständiger Hüttenwart angestellt, welche Massnahme von vollem Erfolg begleitet war. Im Laufe des Sommers wurde ein laufender Brunnen bei der Hütte erstellt. Diese Wasserversorgung funktionierte auch im Winter tadellos, … Die Frequenz der Hütte betrug im Berichtsjahr 829, davon entfallen auf den Winter 160. …
(Quelle: SAC Jahrbuch 1906)
Gut besuchte Spitzmeilenhütte
Die Winterschutzhütte am Spitzmeilen wurde auch den Sommer über stark besucht (658 Personen). Während der Monate Juli, August, September war Hüttenwart Luzius Kurath zur Besorgung der Hütte bestellt und war die Hüttenordnung befriedigend. Für den Winter ist genügend Brennholz vorhanden und der Brunnen spendet ein vorzügliches Wasser. Wenn die Witterung günstig ist, so wird Hüttenwart Kurath auch über Weihnachten und Neujahr in der Hütte anwesend sein. – Die schön gelegene Hütte sei allen Freunden des Skisportes angelegentlichst empfohlen.
Auskunft erteilt gerne:
Flums, den 4. Dezember 1908.
J. Knecht, Hüttenchef der Spitzmeilenhütte
(Quelle: Alpina 1908, S. 234)
Sektion Piz Sol. Die Spitzmeilenhütte erfreute sich eines lebhaften Besuches sowohl während der Sommer- als auch Winterzeit. – Leider kommt es sehr oft vor, dass Hüttenbesucher – auch S. A. C.-Mitglieder! – bei Abwesenheit des Hüttenwartes eine bedenkliche Unordnung in – und ausserhalb der Hütte zurücklassen, weshalb das Komitee die Frage zu erwägen haben wird, ob nicht eine öftere Beaufsichtigung der Hütte – auch bei weniger starker Frequenz – angezeigt wäre unter Erhebung eines minimalen Hüttengeldes.
(Quelle: SAC Jahrbuch 1909)
Sektion Piz Sol. … Da durch den grossen Besuch der Spitzmeilenhütte auch eine bessere Beaufsichtigung und vermehrte Anwesenheit des Hüttenwarts notwendig wurde, sah sich die Sektion genötigt, auch im Winter ein bescheidenes Hüttengeld einzuziehen. Immer wieder kommen Fälle vor, wo die Besucher die Hütte in beschmutztem Zustande hinterlassen. Auch das zur Verfügung stehende reichliche Inventar erfährt leider oft nicht die geringste Schonung. Der Weg zu dem etwas exponierten Abort wurde letzten Herbst mit einem Geländer versehen.
(Quelle: SAC Jahrbuch 1910)
… Unsere Clubhütte am Spitzmeilen … am 23. Februar wurde die Kasse ausgeraubt. Der Dieb muss etwa Fr. 300 erwischt haben. Herr Kunstmaler Burkhart, der kurz nach dem Einbruch in der Hütte eintraf, machte genaue Aufnahmen von den Fussspuren des Schelmes und zeigte den Einbruch sofort an. Aber trotz noch andern Indizien kam die Findigkeit der Behörde zu keinem Ziel.
(Quelle: SAC Jahrbuch 1912)
Sektion Piz Sol. … Die Spitzmeilenhütte erfreute sich auch dieses Jahr eines sehr grossen Besuches. … Der Ertrag der Hütte deckt die Kosten für dieselbe und gestattet eine kleine Einlage in den Unterhaltungsfonds. … ist die Hütte zu einem Lichtpunkt im Leben der Sektion geworden.
(Quelle: SAC Jahrbuch 1913)
… Die Klubhütte am Spitzmeilen befindet sich nach dem Berichte ihres Chefs in guten Zustand. … Die Klubhütte am Spitzmeilen befindet sich nach dem Berichte ihres Chefs in gutem Zustande. Die Brunnenstube wurde mit einem Betondeckel versehen; der Blitzableiter ist neu und besser zu erstellen; die Matratzen sind bei Gelegenheit neu und besser zu überziehen. Im Inventar fehlt nichts.
Die Hütte wurde vom 4. Oktober 1914 bis 12. September 1915 von 1107 eingeschriebenen Personen besucht, davon sind 197 oder 18% S.A.C.-Mitglieder. Von den 440 Winterbesuchern waren 152, also fast 30%, Klubgenossen. …
(Quelle: SAC Jahrbuch 1914)
Sektion Piz Sol. … Der Betrieb unserer beiden Klubhütten am Spitzmeilen und Piz Sol war im allgemeinen ein befriedigender. Gröbere Beschädigungen an Hütten und Inventar sind nicht zu verzeichnen, dagegen wurden in beiden Hütten die Notproviantdepots mutwillig geplündert. …
(Quelle: SAC Jahrbuch 1916)
Einweihung der Spitzmeilenhütte
Programmgemäss am 10. Februar 1951. Flums Bahnhof 13.45 Uhr ab. Eine ungewohnt grosse Zahl wackerer S.A.C.-Mannen folgten dem Tourenchef willig ins Postauto, zum Ski- und Sessellift in die Maskenlücke. Nach knapp zwei Stunden Marsch grüsste die Spitzmeilenhütte die fröhliche Gesellschaft.
Der gute Eindruck, den die Hütte heute macht, erhöhte die Stimmung im Volke noch wesentlicher. Allen Anwesenden möchte ich versuchen, in Kürze ein Bild der renovierten Hütte zu zeichnen. Der einstige Dachausbau ist weggefallen. Dadurch ist die Hütte behäbiger geworden. Die Aussenwände und das Dach erhielten einen neuen Schindelschirm. Der Eintretende durchquert zuerst den Skiraum. Von da tritt er in die vergrösserte Stube. Sie bietet zirka 25 Personen bequem Platz. Es sind drei Fenster vorhanden, welche dem Raum Licht und Behaglichkeit verleihen. Die Wände sind hell gestrichen. Ein neuer wackerer Tisch ist ebenfalls da. Links von der Stube findet der Gast die neu angebaute Wohnküche, sogar mit fliessendem Wasser (nicht nur wenns regnet). Der Kochherd wurde so plaziert, dass er dem anschliessenden Schlafraum noch Wärme abgibt. Dies sind die wesentlichen Änderungen.
Der heftige Föhnsturm ermöglichte uns, die kurze Nacht in den Vormittag des Sonntags auszudehnen, da an einen Aufstieg zum Spitzmeilen nicht zu denken war. Gegen Mittag begaben wir uns auf den Heimweg. Im Kurhaus „Gamperdon“ löste sich die fröhliche Gesellschaft auf, und um ein schönes Erleben reicher kehrten wir heim.
(Walter Schumacher in: Der Piz Sol. Nachrichten der Sektion Piz Sol 1951, S. 6f.)
50 Jahre Spitzmeilenhütte
Jubiläumsfeier Spitzmeilenhütte. 10./11. Oktober 1953
Allen, die nicht dabei sein konnten oder wollten – mein aufrichtiges Beileid. Wir aber, die diesen Anlass erlebten, werden ihn nicht vergessen. Nicht dass es ein rauschendes Fest war, aber es half einfach alles mit, um diese zwei Tage zu einem wunderschönen Erlebnis werden zu lassen.
Es fanden sich am Samstagabend ein Dutzend flotter S.A.C.-Kameraden in der heimligen Spitzmeilenhütte ein. Bei einem guten Oktobertee lösten sich die Zungen, und zu erzählen gabs gar viel. Der Präsident hatte die ausgezeichnete Idee, das erste Hüttenbuch mitzubringen. So konnten wir erfahren, dass die Einweihung vor 50 Jahren ein für die damaligen Verhältnisse grosses Fest war. Zu vorgerückter Stunde entschloss sich ein Teil, zur Ruhe zu gehen. Aber nur ein Teil, der andere und anscheinend der robustere unternahm eine nächtliche Besteigung des Spitzmeilen. 2 Uhr 00 in der Frühe brannte ein Jubiläumsfeuer auf dem Gipfel. Ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit an die mutigen Erbauer unserer liebgewordenen Hütte.
Der Sonntag, wieder ein wunderbarer Herbsttag mit seiner Farbenpracht, unterstrich erneut, wie schön es hier oben ist. So bummelten wir in kleinen Gruppen auf den Spitzmeilengipfel und genossen die prachtvolle Fernsicht. Bis gegen Mittag trafen noch einige Nachzügler bei der Hütte ein. So lagerte schliesslich um 12 Uhr eine ordentliche Schar vor der Hütte, wo’s Zigeunerbraten gab, und wie wäre es anders möglich … Wein! In einer Ansprache begrüsste der Präsident die frohen Kameraden. Eine besondere Freude aber war es, Herr Heinrich Spoerry aus Heerbrugg unter uns zu wissen. Sein so früh verstorbener Vater war ein grosser Initiant und Förderer der Spitzmeilenhütte. Im Namen der Ortsgemeinde Flums-Grossberg sprach Herr Ing.-agr. J. Manhart. Dabei teilte er uns mit, dass es in naher Zukunft möglich sein werde, per Auto bis zum Lauiboden zu fahren. (Dies zur Orientierung für die Autoalpinisten.)
Die länger werdenden Schatten mahnten zur Heimkehr. In der Alp Wiesen bestiegen wir die Autos. Dankbar genossen wir noch die letzten Sonnenstrahlen. Solch schöne Erlebnisse helfen uns die Probleme des Alltags leichter meistern.
(Walter Schumacher in: Der Piz Sol. Nachrichten der Sektion Piz Sol, Nr. 9, November 1953, S. 42)
Erweiterungsbau der Spitzmeilenhütte
Nun wurde das Traktandum „Erweiterungsbau der Spitzmeilenhütte“ in Angriff genommen. Einleitend fasst Präsident Robert Giger kurz die Entstehungsgeschichte des Projektes zusammen.
Nachdem die Sektion nach dem Verkauf der Pizolhütte keinen geeigneten Platz für einen Hütten-Neubau finden konnte, und Ende 1967 auch das Projekt Garschina für uns nicht in Frage kam, beschloss sie, die bestehenden Hütten auszubauen. Der Spitzmeilenhütte wurde der Vorrang gegeben, weil sie Sommer und Winter benützt wird. Klubmitglied Adolf Urfer erhielt den Auftrag, ein Projekt zur Vergrösserung auszuarbeiten. Zuerst suchte man die Lösung in der Hebung des Daches. Im Verhältnis zu den Kosten liess sich aber auf diese Weise wenig Platzgewinn realisieren. Darum fasste man einen Anbau ins Auge. Anfängliche Bedenken, die Proportionen der Hütte könnten aus dem Gleichgewicht geraten, wurden durch einen Augenschein widerlegt. Das Architekturbüro Urfer arbeitete entsprechende Pläne aus. Diese wurden dem Zentralhüttenchef vorgelegt. Er schlug auf Grund seiner grossen Erfahrung einige Änderungen vor. Diese wurden von Architekt Urfer übernommen. Das bereinigte Projekt sieht nun einen Anbau von 4 m Richtung Schilstal vor. Der Kellerraum dient im Sommer als Stall für die Tiere des Hüttenwartes, im Winter als Skiraum. Dazu kommen die WC-Anlagen mit 2 WC und einem Pissoir für den Sommer und einem Trockenabort für den Winter. Im Parterre vergrössert sich der Aufenthaltsraum um den jetzigen SAC-Raum. Dieser wird im Neubau untergebracht. Auch ein Zimmer für den Hüttenwart ist hier vorgesehen. Der erste Stock wird ganz zum Schlafen eingerichtet. Wir gewinnen also zu den heutigen 25 Sitzplätzen ca. 15 und zu den heutigen 30 Schlafplätzen ca. 25 hinzu.
Der Kostenvoranschlag jagte dann allerdings dem Vorstand einen nicht kleinen Schrecken ein, lautet er doch auf Fr. 168 000.–. Darin inbegriffen ist der Transport sämtlichen Materials, vom Lauiboden aus mit dem Helikopter, zur Hütte. Die Transportkosten sind es denn auch, die das Ganze so enorm verteuern, wird doch der Helikoptertransport allein mit Fr. 46 000.– veranschlagt. Wir sind überzeugt, dass der Transport durch die Errichtung einer Seilbahn oder durch Militär wesentlich verbilligt werden kann.
Ganz und gar nicht erschrocken über diese Zahlen ist der CC-Hüttenchef. Er kennt die heutigen Ansätze und rechnet mit diesen Preisen.
(Piz Sol. Klubnachrichten der Sektion Piz Sol, Nr. 5, Mai 1970, S. 22)
Einweihungsfeier der erweiterten Spitzmeilenhütte am 12./13. August 1972
Ein eindrückliches Erlebnis in mancherlei Hinsicht war den Freunden der Spitzmeilenhütte beschieden, die sich zur Einweihungsfeier eingefunden hatten. Schon am Samstagabend bot einer der Gäste den Anwesenden eine Show. Leider war der Schreibende nicht dabei, so muss ich euch diese Anekdote aus zweiter Hand erzählen.
Ein zu spät zum Hüttenbesuch aufgebrochener Gast wollte scheinbar die Rettungskolonne unserer Sektion prüfen. Zum Glück war unser Rettungschef Ernst Nigg in der Hütte anwesend, sonst hätte ich für die Rettung dieses Bruders schwarz gesehen.
Zuletzt sah man den Unglücklichen noch etwa eine halbe Wegstunde von der Hütte entfernt. Unterhalb der Spitzmeilenhütte muss sich dann der Herr mit dem getreuen Gefährten, seinem Hund, verlaufen haben. Als man die angeblich erschöpften auffand, äusserte sich der Herr über seinen Hund enttäuscht. Wie er ausführte, hätten dem armen Hündchen die Kräfte versagt. Schade, dass der Beschuldigte nicht sprechen konnte, er hätte es wahrscheinlich anders erzählt. Wenigstens hatte der Hund keinen hohen Promillegehalt im Blut!
Auf jeden Fall konnten dann schliesslich die eingeladenen Gäste doch noch zum gemütlichen Teil übergehen.
Am Sonntagmorgen um ca. 10.30 Uhr begrüsste der Präsident Robert Giger die illustre Schar Aufmarschierter, vorab einen Abgeordneten der Hüttenkommission des CC, Herrn Jakob Eschenmoser, Zürich, weiter Abgeordnete benachbarter Sektionen, den Pfarrer von Flums, sowie die beiden Ehrenmitglieder Herr Spoerry und Chläus Saxer. Nicht zu vergessen ist der Männerchor Flumserberg.
Leider konnte ein wohlverdientes Mitglied, Hans Schmid, der die Anfänge der Hütte miterlebt hatte, nicht dabei sein. Ihm wäre es vergönnt gewesen, uns viel Interessantes über die Hütte zu erzählen.
Mit eindrücklichen Worten sprach der Pfarrer zu den aufmerksamen Zuhörern von der Aufgabe einer Hütte, den Menschen, die Ruhe und Frieden finden wollen in der Bergwelt, einen Schutz zu bieten. Herr Jakob Eschenmoser vom CC äusserte sich in seiner Rede sehr zufrieden mit den Gebäulichkeiten. Er erwähnte die finanziellen Kosten, den Arbeitsaufwand bei den heute fehlenden Arbeitskräften, die eine solche Hüttenerweiterung mit sich bringt.
Zum Schluss möchte ich diesem Bericht in eigener Sache beifügen, dass mich die Mitglieder enttäuscht haben. Ich habe nicht erwartet, dass nur so wenige „Piz Söler“ es für nötig fanden, der Einweihungsfeier beizuwohnen. Sicher hat das Wetter den einen oder andern dazu bewogen, mit der Familie baden zu gehen. Aber die Einweihungsfeier fand nur einmal statt. Schade!
Der Kommission gehört zu diesem gelungenen Projekt der beste Dank auszusprechen. Dank gebührt auch Franz Gradient, der alles bestens organisiert hatte.
Nun, die Hütte erwartet euch in neuem Glanz. Besucht sie einmal!
(Piz Sol. Klubnachrichten der Sektion Piz Sol, Nr. 9, Oktober 1972, S. 37)