Clubhütte Sardona. Durch private Mittheilungen hat das Comité erfahren, daß die Section St. Gallen geneigt ist, einen Ueberschuß von frs. 2500 vom letzten Centralfest herrührend, für alpinistische Zwecke und zwar vorzüglich im Oberland zu verwenden. So sehr das zu begrüßen ist, so möchte doch Hr. Neher nicht zu rasch in das Zeug fahren, sondern über den finanziellen Theil zuerst absolut sicher sein, bevor wir irgend welche Versprechungen eingehen. Vorschlagsweise möchte er den Bau einer Clubhütte in der Nähe der Trinserfurca in der Höhe von ca. 2300 m empfehlen. Der Actuar wird beauftragt, sich in diesem Sinne an den Präsidenten der Section St. Gallen Herrn Mettler-Wolf zu wenden.
(Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Comitésitzung den 19. Januar 1894 im “Schäfli” Mels)
… Der schon seit Jahren gehegte Gedanke, unserer Sektion eine Clubhütte zu bauen, sollte endlich in That und Wahrheit umgesetzt werden. In der Sitzung vom 26. März wurde der Bau einer Clubhütte im Sardonagebiet beschlossen. Der Hüttenplatz wurde im Sommer 1896 … ausgesucht. Er liegt nördlich von der Trinser Furka, ungefähr eine Stunde hinter der Sardonaalp. Von der projektierten Hütte aus sind zahlreiche Gipfeltouren, kleinere Touren und Übergänge ins Glarner- und Bündnerland und ins Weisstannenthal zu machen und es wird auch der Besuch des Calfeisenthales eine wesentliche Förderung erhalten.
… Die Hütte soll in Holzstrickbau mit Schindelbeleg erstellt und mit Arvenholz getäfelt werden. Bei Feststellung der Pläne diente die Vereinahütte als Typ. Wenn die Übernahmesumme wesentlich höher ist als die Erstellungskosten der Vereinahütte, so liegt der Grund teilweise in der veränderten Bauart, Holzstrickbau gegen Fachwerk, ganz besonders aber in dem bedeutend teureren Transport des Materials von Ragaz-Vättis nach dem Bauplatz gegenüber dem Transport Klosters-Novai nach Vereina.
… so dass die Sektion mit dem Bau der Sardonahütte eine finanzielle Leistung von cirka Fr. 8000 übernimmt und sich damit über ihr derzeitiges Clubvermögen hinaus engagiert hat. Wir hoffen zuversichtlich, einen Beitrag aus der Centralkasse an die Baute erhältlich machen zu können.
(SAC Jahrbuch 1897-98, Sektion St. Gallen)
Es wird beschlossen, bei Haab u. Ko. Büchsenfabrik in Ebnat zu schöner und solider Ausführung zu bestellen: Gipfelbuch für den Piz Sardona ∆ 3054 m. der Sektion St. Gallen bei der Einweihung der Clubhütte auf Sardona 7. August 1898 gewidmet von der Sektion Piz Sol des Schweizer Alpen-Clubs.
(Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Komitesitzung 7. Mai 1898 im Löwen in Flums)
Gabe der Sektion Piz Sol zur Clubhütteneinweihung der Sektion St. Gallen auf Sardona: Gipfelbuch von Haab u. Ko. in Ebnat, Lederband mit Golddruck, Schutzgefäß aus Zinkblech von Franz Bäsch in Flums. Inschriften:
“Gipfelbuch für den Piz Sardona ∆ 3054 m., der Sektion St. Gallen des Schweizer Alpen-Clubs bei der Einweihung der Clubhütte auf Sardona 7. August 1898 gewidmet von der Sektion Piz Sol des Schweizer Alpen-Clubs. Der Präsident J. Knecht, der Aktuar J. B. Stoop”
“Piz Sardona ∆ 3054 m. hieß bei den Bewohnern des Calfeisen- und Weißtannentals, wie F. W. Sprecher von Vättis im XXXI. Jahrbuch 1895 bemerkt, die Scheibe. Nach diesem Gipfel benannte Eschmann Blatt Scheibe des top. Atlasses des Kantons St. Gallen. Der Name Saurenstock auch in Blatt Elm T.A. 402 aufgenommen, ist eine irrtümlich von Segnes sura abgeleitete Bezeichnung. Da der oberste Teil des Calfeisen allgemein Sardona heißt, Alp Sardona, Sardonagletscher, Sardonamassiv, Sardona-Clubhütte, schließen wir uns dem Schweizer Topographen Simon an, der ∆ 3054 m. in schöner, sagensinniger Analogie zu Piz Segnes Piz Sardona nennt. Schweizer Alpenzeitung 1895 Seite
“Die Touristen sind ersucht, in dieses Gipfelbuch einzutragen, Namen, Bürgerort, Wohnort, – Jahr, Monat, Tag, Stunde, – Aufstieg, beabsichtigte Fortsetzung der Tour. – Beobachtungen: Aussicht, Witterung, Wärme, – Schnee und Eis, – Felsen, Pflanzen, Tiere, – u.s.w. – Clubgenossen sind ersucht, von diesen Eintragungen Auszüge zu machen zu Handen der Vereinsorgane.”
(Protokollbuch der Sektion Piz Sol: Komitesitzung 29. Juli 1898)
Sardonaclubhütte: Der schon im Sommer des vorigen Jahres begonnene Bau unserer Clubhütte konnte innert des mit dem Bauunternehmer festgesetzten Termins zu Ende geführt werden, so dass die Einweihung der Hütte Sonntag den 7. August programmgemäss und begünstigt vom herrlichsten Wetter vor sich gehen konnte. Laut Eintrag im Hüttenbuch nahmen an der Einweihung 86 Personen teil; rechnete man die zahlreichen einheimischen Bergleute aus den umliegenden Alpen von Vättis und Pfäfers hinzu, so dürfte die Landsgemeinde auf Sardona weit über hundert Personen vereinigt haben.
Die Hütte präsentiert sich auf cirka 2240 Meter Höhe auf der sogenannten Käseck-Alp Sardona (Kalfeisenthal, Gemeinde Pfäfers) als ein gefälliger Holzbau, verschindelt, innen mit Arventäferung. Im Parterre befinden sich Wirtschaftsraum und Damenzimmer, oben zwei Schlafräume. Sie bietet 23 bequeme Lagerstätten, nämlich 6 im Damenzimmer, 7 im obern offenen Schlafraum und 10 in der obern abschliessbaren Schlafabteilung. Zur Feuerung dient ein Beckerscher Ofen. Gutes Quellwasser ist unweit der Hütte vorhanden.
Die Hütte ist bewirtschaftet und wird von Bergführer David Kohler von Vättis als Hüttenwart versorgt. Der Wirtschaftsraum und die kleinere obere Schlafabteilung sollen auch bei Abwesenheit des Hüttenwarts offen resp. zugänglich sein.
… Wir können nämlich nicht gelten lassen, wie dies von einer Seite seither ausgeführt worden ist, dass das Sardonagebiet kaum einer Clubhütte bedurft hätte, indem die Alphütten der fraglichen Gegend, allenfalls durch sogenannte Trills wohnlicher gemacht, den Zwecken, denen die Hütte dienen soll, genügen könnten.
Wenn das einzig schöne Kalfeisenthal mit dem Saradonagebirge klubistisch frequentiert werden sollen, wie es die dortigen Naturschönheiten verdienen, so muss dem Touristen in demselben eine Unterkunftsstätte zur Verfügung stehen, die ihm unabhängig vom Bezuge der Alpen, welchen allenfalls in Frage kommen könnten, jederzeit offen steht, und in der er sein eigener Herr und Meister ist. Dies ist aber nur durch eine Clubhütte möglich.
(SAC Jahrbuch 1898-99, Sektion St. Gallen)
Die Einweihung der Sardonahütte (2240m).
Auf Sonntag den 7. August hat die Sektion St. Gallen des S.A.C. die Einweihung festgesetzt und zur feierlichen Begehung derselben die benachbarten Sektionen in freundschaftlicher Weise eingeladen.
Diejenigen Teilnehmer der Feier, welche nicht schon vor der im Programm festgesetzten Zeit in Vättis oder in der Clubhütte sich niedergelassen hatten, fuhren am Samstag Abend mit der Drahtseilbahn von Ragaz nach Pfäfers und auf ländlichen Wagen das Taminathal hinauf nach Vättis, dem letzten Orte des Thales. Ein wundervoller Abend herrschte über dem Gebirge; im Rücken erhob sich in kühnen Wänden und stolzen Gipfeln der Falknis zum klaren Himmel; im Vordergrund leuchteten die Abhänge des Calanda in lichtem Glanz; zu beiden Seiten des Thales erfreute das Grün der Wiesen und Wälder des Wanderers Auge, und als die Gesellschaft in Vättis anlangte, erquickte man sich an der frischen, reinen Luft, welche in diesem abgeschiedenen Gebirgsdorfe wehte.
Die Einquartierung in den verschiedenen kleinen und einfachen, aber freundlichen Gasthöfen hatte sich rasch vollzogen, und nicht zu spät wurde die Ruhe aufgesucht; denn in Anbetracht des langen Weges und der warmen Witterung, die in jener Zeit tagsüber zu herrschen pflegte, wurde die Tagwache auf 4 Uhr festgesetzt, d.h. eine Stunde früher, als im ursprünglichen Programm bestimmt worden war.
Der Sonntag erhob sich in erhabener Schöne, und in heiterer Stimmung verliess die Gesellschaft der Festgenossen das liebliche Vättis, um sich dem Kalfeusenthale zuzuwenden, in dessen hinterstem Grunde das neue Heim der St. Galler Alpenclubisten erstellt worden war. In der engen Schlucht, in welche die Tamina im vordern Teile des Thales sich eingefressen hat, geht der Weg bald auf der linken, bald auf der rechten Seite des Baches, meist durch Wald, von Zeit zu Zeit an hoch herabstürzenden, imposanten Wasserfällen vorbei. Nach gut zweistündiger Wanderung erscheint auf der nördlichen Thalseite das anmutige Kirchlein von St. Martin, wo in früheren Zeiten, als das Kalfeusenthal noch von einer relativ zahlreichen Bevölkerung ständig bewohnt war, die Leute aus den verschiedenen Alpgütern zu gemeinsamer Andacht sich zu versammeln pflegten. Jetzt wird nur noch etwa dreimal im Jahre Gottesdienst gehalten, zur Zeit, wenn die Alpen von Sennen, Hirten und Heuern bewohnt sind. Eine halbe Stunde hinter St. Martin, im sogenannten «Tiefen Wald», welcher in Wahrheit nicht einen Wald, sondern eine Wiese vorstellt, wird kurze Rast gehalten; dann zieht die Gesellschaft, in kleine Kolonnen aufgelöst, über die «Vordere Ebene», und nach Überschreitung der Tamina über die «Hintere Ebene» nach der weit sich ausdehnenden schönen Alp Sardona, welche von einem hohen, mit Gletschern behangenen Gebirgsriegel abgeschlossen wird. Schon von weitem zeigt sich auf einem vorspringenden Felssporn hell schimmernd die neue Hütte; aber lange Zeit will das längst ersehnte Ziel nicht näher rücken, denn die Sardona-Alp streckt sich in gleichmässiger Steigung viel weiter, als das Auge zu messen vermag, und zuletzt ist noch in steilen Kehren der Hügel zu erklimmen, welcher die Hütte trägt.
Endlich, nach etwa 5 ½ stündigem Marsche, ist das Ziel erreicht, und die Ausdauer wird durch ein erfrischendes Mahl belohnt, welches von der Sektion St. Gallen in gastfreundlicher Weise gespendet und von Frauen und Töchtern aufs gefälligste serviert wurde. Es entwickelte sich an den Abhängen um die Hütte herum ein reges Leben; alles bewunderte den Bau, der nach mannigfachen Verhandlungen nun endlich an dieser Stelle in wohlgelungener Weise aufgeführt stand, alte Bekannte begrüssten sich, man verständigte sich über Touren, welche den nächsten Tag von der Hütte weg ausgeführt werden sollten, und immer wieder schweiften dann die Blicke herum, um das anmutige Landschaftsbild in sich aufzunehmen. Nach Osten zeigt sich zu Füssen zunächst die Sardonaalp, weiterhin das sich verengende Taminathal, zur Rechten von den steilen Wänden der Ringelkette, zur Linken von sanftern Abhängen und fruchtbaren Alpweiden flankiert; im Hintergrund erhebt sich der Saurenstock und das Trinserhorn, sowie die Grosse und Kleine Scheibe, an deren Hängen der Sardonagletscher in blendendem Weiss sich hinzieht; gegen Süden hin vermag man das schräg in die Höhe strebende Felsband zu sehen, welches zur Trinserfurka hinaufführt, von wo ein nicht schwieriger Pfad nach Trins oder auch nach Flims führt.
Der Einweihungsakt vollzieht sich rasch. Herr Landammann Dr. Scherrer begrüsst die Festteilnehmer, entwickelt die Geschichte des Baues der Hütte, spricht allen Mithelfenden den Dank der Sektion aus und giebt der Hoffnung Ausdruck, dass das mit grossen Opfern und grosser Mühe erstellte Werk gut erhalten bleibe. Später brachte Hr. Bezirksförster Jäger von Vättis ein Hoch der Sektion St. Gallen; dann ergriffen noch zwei Clubisten aus dem benachbarten Graubünden das Wort, Hr. Bener von der Sektion Rhätia und Hr. Kastelberg, Vizepräsident der erst in jüngster Zeit gegründeten Sektion Piz Terri in Ilanz. Die letzten beiden hoben im besonderen hervor, dass die auf Bündner Seite am Fusse des Piz Segnes zu erstellende Clubhütte eine willkommene Ergänzung zur Sardonahütte bilden werde, so dass jenes bis jetzt ziemlich vernachlässigte Gebiet in Zukunft grösseren Besuch zu erwarten habe.
Bevor man den Hüttenplatz verliess, wollte jeder auch die innere Einrichtung derselben kennen lernen. Sie ist nach Art der Vereinahütte der Sektion Uto gebaut: im Erdgeschoss ein offener Wohn- oder Wirtschaftsraum und ein verschliessbares Zimmer mit sechs Lagerplätzen. Im obern Stockwerk, zu welchem eine Treppe führt, befinden sich ein offener und ein verschliessbarer Lagerraum, in denen etwa 16 Personen Platz haben. Die Hütte kann im ganzen etwa 24, wenn es sein muss auch mehr Personen beherbergen; ein Wirtschafter wird in den Sommermonaten beständig oben wohnen und nach einem fixierten Tarif Speisen und Getränke verabfolgen.
Ein grosser Teil des Festgenossen, d.h. so viel als in der Hütte Platz fanden, gedachte die Nacht oben zuzubringen, um dann am frühen Morgen den Saurenstock und Piz Segnes zu besteigen; die übrigen rüsteten sich allmählich, um auf verschiedenen Wegen ins Thal zu gelangen. Die einen wandten sich der Trinserfurka zu, andere hatten einen Übergang ins Weisstannenthal als Ziel gewählt, und nur eine verhältnismässig kleine Zahl zog wieder durch Kalfeusen nach Vättis hinaus, so auch der Berichterstatter. Zur Rückkehr wurde bis St. Martin der Weg auf dem linken Ufer der Tamina gewählt, mehr der Abwechslung wegen; er führt durch schöne Wälder und blumenbesäte Wiesen, ist aber zum Teil recht mühsam, weil sehr viele Gegensteigungen zu überwinden und eine grössere Anzahl an Bächen und Runsen zu traversieren sind. Im übrigen bietet er einen prächtigen Überblick über die Wände der Ringelkette. In St. Martin wurde gerastet und die Gelegenheit benutzt, um das halb ausgeplünderte Beinhaus anzustaunen. Vor Eintritt der Nacht war Vättis wieder erreicht.
Ob alle in der Hütte Zurückgebliebenen am folgenden Tage die projektierten Bergtouren ausführten, vermag der Berichterstatter nicht zu sagen. Am frühen Morgen des Montag ging nämlich in jener Gegend ein gewaltiges Gewitter nieder; doch hellte sich der Himmel wieder auf und das Wetter war bis gegen Abend schön.
Die Eröffnungsfeier hat also bei günstigstem Wetter einen angenehmen Verlauf genommen; möge dieser Umstand für den Besuch der Hütte ein gutes Omen sein.
Die Sardonahütte ist die erste Clubhütte auf dem Gebiete des Kantons St. Gallen, und man darf der Sektion St. Gallen Dank wissen, dass sie den Entschluss gefasst, den schon seit längerer Zeit projektierten Hüttenbau gerade an dieser Stelle zur Ausführung zu bringen; vermittelt sie doch eine grössere Anzahl schöner und nicht allzu schwieriger Touren in dem Gebirgsstock, in welchem die Kantone St. Gallen, Graubünden und Glarus zusammentreffen. Man hatte etwelche Bedenken wegen der Länge der Entfernung von der nächsten Eisenbahnstation: von Ragaz bis Vättis sind 3 Stunden und von da zur Hütte 5 ½ Stunden zu rechnen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Weg durch das Kalfeusenthal gar nicht mühsam ist, denn es kommen nur wenige grössere Steigungen vor; auf der andern Seite bietet das Thal mit seinen Schluchten, steilen Wänden, den rauschenden Wasserfällen, den blühenden Alpwiesen und dem Blick auf die Gletscher eine grosse Abwechslung der schönsten Landschaftsbilder, so dass das Thal und die Hütte selbst schon eines Besuches wert sind. Den Wunsch möchten wir aussprechen, dass an einigen Stellen des Weges Zeichen oder Tafeln angebracht werden, da sonst die Wanderer leicht auf Abwege geraten könnten, wie das bei der Eröffnungsfeier einigen passiert ist.
Zum Schlusse bemerken wir noch, dass die Hütte mit allem Nötigen versehen ist und in derselben auch ein Hüttenbuch sich vorfindet, welches von einem Mitgliede der Sektion gestiftet und von Köbi künstlerisch geschmückt wurde.
(Quelle: SAC Jahrbuch 1898)
… die schönste aber von allen, jedoch unnötig
Die östlichen Ausläufer der Tödikette, die einst lange Zeit wenig Beachtung fanden, sind in den letzten Jahren die erklärten Günstlinge einiger Sektionen des S.A.C. geworden. Am Calanda wurde eine Clubhütte gebaut, oberhalb Flims eine andere am Piz Segnes,- von beiden sind die Bündner Alpenclubisten Erbauer; die schönste aber von allen steht oberhalb Sardonaalp an herrlichem Platze im Kalfeusenthal. Sie ist ein stattlicher Bau, mit allem möglichen Hausrat, kurz, eine ganz tadellose Clubhütte. Freilich hat sie auch über 8000 Fr. gekostet, und wenn man sich frägt, was eigentlich dieser Hütte fehlen könnte, so sind es wirklich bloss die Berge, um deren willen sie dastehen sollte. Piz Segnes, Trinserhorn und Saurenstock sind nur drei Spitzen ein und desselben Massivs und können mit Leichtigkeit alle drei an einem Tage bestiegen werden. (Für die Scheibe ist die obere Fooalp ein viel besserer Ausgangspunkt als die Sardonahütte; überdies ist sie kein Aussichtsberg, fällt also für Nichtsporttouristen, welchen die Hütte ja dienen will, gar nicht in Betracht. Auch Ringelspitze und Piz da Sterls auszuführen, geht nicht wohl an, da diese Berge viel bequemer von andern Orten aus bestiegen werden.) Also ist von dieser Hütte aus nur eine Besteigung möglich. Aber auch diese lässt sich ebenso gut von der Sardonaalp aus ausführen; (dies gilt in noch grösserem Masse auch für die Passwanderungen im Sardonagebiet) denn es wird doch niemand im Ernste glauben machen wollen, es könne ein nur halbwegs ordentlicher Tourist auf leichtem Terrain nicht ebenso gut 1300-1400m steigen statt 1000-1100m. Auf Sardonaalp steht nun aber schon seit einiger Zeit eine unbenutzte Hütte, die der S.A.C. um einen billigeren Preis hätte kaufen können und die mit wenig Geld ganz bequem einzurichten gewesen wäre. Es liegt mir durchaus ferne, einer fremden Sektion in ihre eignen Sachen drein zu reden, aber da der gesamte S.A.C. nun einmal 25% an die Kosten dieser Hütte bezahlt hat, glaube ich doch vom Rechte der freien Kritik Gebrauch machen zu dürfen, umsomehr, weil ich mich frei weiss von persönlicher und territorischer Beeinflussung und ich nur an Hand eines Beispiels aufs nachdrücklichste auf einen andern Weg hinweisen möchte, der ebenfalls zu besseren Unterkunftsverhältnissen führt, wenn auch in weit weniger kostbilliger Weise, aber gerade deswegen der einzige Weg ist, auf dem kleine und unbemittelte Sektionen etwas leisten können, und der auch dem gesamten S.A.C. oft passend sein würde; denn die Aufgaben, die der S.A.C. noch zu lösen hat, sind sehr viele und gewiss dringende. Wie misslich sind die Unterkunftsverhältnisse im Bündneroberland, in den Centralalpen und im Wallis, wo es so oft nicht einmal bewohnbare Sennhütten giebt! Wie viel sollte der S.A.C. in Wegverbesserungen noch leisten, und wie sehr könnte er gerade hierin den «kleinern Clubisten» entgegenkommen, die mit vollem Recht auch Berücksichtigung verlangen?
(Robert Helbling in: Alpina 1899)
Die Sardona-Hütte hat den Winter 1898/99 gut überstanden und erfreute sich den Sommer hindurch einer recht guten Frequenz (176). Gerne entnehmen wir den Eintragungen im Hüttenbuch, dass die Besucher nur Günstiges zu berichten wissen. Der Aufstieg vom Sardonaalpboden zur Hütte ist durch die vom Hüttenwart in verdankenswerter Weise besorgte Weganlage über Käseck nun wesentlich bequemer gemacht worden.
(SAC Jahrbuch 1899-1900, Sektion St. Gallen)
Clubhütte Sardona. Im Hüttenbuch sind 123 Besucher eingetragen, darunter 15 Damen und 35 Mitglieder des S.A.C. Seit dem Bestehen der Hütte ist das der schwächste Besuch. Wenn sich unsere Hoffnung auf eine stärkere Frequenz nach Vollendung des Calfeusensträsschens 1908 nicht erfüllt, so müsste die Bewirtschaftung der Hütte mit Rücksicht auf die fortwährenden Betriebsdefizite aufgegeben werden. Einige notwendige Reparaturen werden im Frühjahr 1908 vorgenommen. Das Inventar ist vollständig und in gutem Zustande. Da das Sardonagebiet von Skifahrern häufiger besucht wird, soll die Hütte auch für Winterbesuch entsprechend eingerichtet werden.
Wegmarkierung. Im Clubhüttengebiet wurde der Weg von der Clubhütte zur Trinserfurka markiert. In Vättis, auf der hintern Sardonaalp und auf dem Heidelpass sind Wegweiser «nach der Sardonahütte» aufgestellt worden.
(SAC Jahrbuch 1907-1908, Sektion St. Gallen)
Clubhütte Sardona: Die Frequenz unserer Hütte hat sich dieses Jahr in erfreulicher Weise gehoben. Bis Ende Oktober verzeichnet das Hüttenbuch 197 Besucher, darunter 26 Damen; mit den Skiläufern, die im Dezember in der Hütte einkehrten, wurde die Besucherzahl 200 überschritten. Die erhöhte Frequenz ist ohne Zweifel dem neuen Kalfeusensträsschen zuzuschreiben, durch welches das schöne Kalfeusental mit der Sardonagruppe den Touristen leichter zugänglich geworden ist.
Die vorgesehenen Hüttenreparaturen wurden dieses Jahr ausgeführt, die Hütte ist nun in gutem Zustande und winterfest. Das Inventar ist vollständig.
(SAC Jahrbuch 1908-1909, Sektion St. Gallen)
Unsere Sardonahütte hat den Winter gut überstanden und befindet sich in tadellosem Zustande. Sie wurde von 209 Personen besucht; davon gehören 36 dem S.A.C. und 51 dem schönen Geschlechte an. Die Bewirtschaftung ergab wieder ein Betriebsdefizit zu Lasten der Sektionskasse.(SAC Jahrbuch 1910-1911, Sektion St. Gallen)