Der Verfasser dieser, mit einigen Abkürzungen hier erscheinenden, mahlerischen Schilderungen einer der schauerlichsten, romantischsten Gegenden der Schweiz ist der zu frühe verstorbene Herr D. Am Stein, Kloster- und Bad-Arzt zu Pfeffers. Das anziehende Gemälde selbst steht, wo man es nicht suchen würde, in dem Vorberichte zu dem im Auslande beinahe unbekannten Werkchen: Die Pfefferser-Quelle, eine Sammlung von (mittelmässigen und schoflen) Gedichten und Liedern, grösstentheils aus dem Lateinischen übersetzt. Zizers, bei der Bücheranstalt. 1793.
Das Pfefferser-Bad und die umliegende Gegend.
Die Quelle des Pfefferser-Bades liegt eine halbe Stunde Mittagswärts hinter der gefürsteten Abtey Benediktiner Ordens Pfeffers, welcher sie auch eigenthümlich zugehört, in der Tiefe eines sich von Norden nach Süden erstreckenden Bergthals, das von einem Gletscherbach, die Tamine genannt, durchströmt wird. Die Gegend gehört zur schweizerischen Landvogtey Sargans, doch so, dass bestimmte Herrschersrechte dem Kloster ganz zugehören. Das Thal wird rechts und links von hohen Bergen bedrängt, welche sich nach und nach von fruchtbaren Bergwiesen, Aeckern, Laub- und Tannenwäldern zu schönen Alpweiden, und weiter einwärts hie und da wohl auch zu nackten Felsenspitzen erheben. Sehr prächtig stellt sich linker Hand im Hintergrunde des Gemäldes, besonders wenn man von Ragaz herkommt, der majestätische Kalanda dem Auge dar, der nach bisherigen Ausmessungen mit seiner Spitze 6598 Schuhe über die Fläche, und wahrscheinlich noch höher erhaben ist, aber wegen seines breiten felsigten Fusses und der Pyramidenform kaum für so hoch geschätzt wird. Er erscheint von dieser seiner nordwestlichen Seite ganz wild und unfruchtbar, auf seinem Scheitel und in den Seitenvertiefungen meistens mit Schnee bedeckt, die heissensten Sommer ausgenommen. Rechter Hand zeichnet sich zunächst hinter Valenz der Monte Luna aus, der bis zu oberst ergiebige Alpweiden anbietet, und vor demselben die sogenannten grauen Hörner, rauche Felsenspitzen, zwischen und hinter welchen sich kleine Gletscher und Seen befinden, wovon ein Theil des Wassers sich, nachdem es erst oben im Berge einige schöne Wasserfälle gebildet hat, hinter der Quelle in die Tamine ergiesst. Ueberhaupt ist der Weg von Ragaz her, der nachdem man dem Lauf der Tamine nach aus dem Walde herauf gekommen ist, sich fast eine Stunde Wegs längst dem Gebirge rechter Hand beynahe ganz eben hinzieht, wegen der manigfaltigen Abwechslungen als auch wegen der Aussichten, die das Auge auf beyden Seiten des Thals geniesset, nicht ohne natürlichen Reiz. Ueberraschend ist der Anblick des Klosters Pfeffers, das sich jenseits, sobald man auf der Höhe etwas vorwärts gerückt ist, dem Auge darstellt; romantisch die stückweise Aussicht, die sich in das so eben verlassene schöne und fruchtbare Bündnerische, vom Rhein durchströmte Thal und in die Rhätischen Gebirge öffnet, von welchen es begränzt wird. Diese Aussicht führt auf der östlichen Seite des Thals, wenn man dem Kloster zugehet, noch weiter, und erstreckt sich bis in die Sargansischen, Wartauer und in noch entferntere Schweizergebirge. Die Höhe, in welcher man sich auf diesem ganzen Wege befindet, lässt sich schon aus der Tamine abnehmen, die sich im tiefen Thalschlunde um so mehr vor den Blicken des Wanderers verbirgt, weil er nun durch dazwischen liegende, mehr und minder abschüssige, Wiesengründe von ihr entfernt ist.
In dem man so dem Inneren des Thales immer näher kommt, erreicht man das kleine Dorf Valenz kaum ein halbes Stündchen oberhalb des Bades auf einer Bergfläche, das, obschon sich die Einwohner hauptsächlich von der Viehzucht, und den ihnen zuständigen Alpen nähren, doch auch etwas Ackerfeld hat. Hier ist der Standpunkt, das Pfefferserthal, die es umzäunenden Berge und vorzüglich auch die ungeheure Felsenmasse des Kalanda recht ins Auge zu fassen. Von Menschenwohnungen, wenige zerstreute Häuser und Hütten ausgenommen, erblickt man nur noch ein etwas weiter einwärts liegendes Dörfchen Vasüm genannt, das eine Filialkirche hat, und zu Valenz gehört. Das Thal scheint sich bald völlig zu schliessen, ungeachtet es sich noch drey bis vier Stunden weiter Mittagwärts erstreckt, und hinter und am Fusse des hervorstehenden Kalanda noch ein Dorf mit einer Pfarrey Namens Vättis hat.
Von Valenz krümmt sich nun der Weg ins Bad, das beyläufig sechs bis siebenhundert Schuhe tiefer liegt, immer mehr und mehr abwärts, ohne jedoch, weil er sich an der Bergseite hin und her gezogen dehnt, irgend sehr steil zu seyn und sicher genug nicht nur für Fussgänger, sondern auch für Saumpferde, und für Reuter sogar, welche der Berge gewohnt sind. Schwache und zärtliche Personen lassen sich aber gewöhnlich in Tragsesseln über den ganzen Berg, das ist von Ragaz her und wieder dahin bringen. Am Ende eines kleinen Buchwaldes vereiniget sich mit dem Weg von Valenz ein anderer Fusssteig, der jenseits von Pfeffers herkommt. Eine Ruhebank, die hier unter dem Schatten der Buchsbäume sehr wohl angebracht ist, und den Namen Mon Repos bekommen hat, entspricht dieser Bestimmung besonders für diejenigen vollkommen, welche vom Bade bis da hinauf gestiegen sind. Der Weg, welcher von hier rückwärts zum Kloster führt, zieht sich Anfangs ein paar hundert Schritte ganz eben unter dem Buchwalde hin, und dienet selbst Badegästen, die sich bis hieher bemühet haben, zu einem einsamen nicht reizlosen Spaziergang. Weiter hin gelanget man zu dem so genannten Brücklein, auf welchem man über das Tobel kommt, um hernach durch die Stiege, einen in die östliche Felsenwand zum Theil stuffenweise eingehauenen und im zikzak herumgeführten Fussteig auf die andre Seite hinauf zu kommen. Der Anblick der immer engern Kluft, und des bewanderten Felsen, der hin und wieder mit Buschwerk, und zu oberst mit starken Buchbäumen und Tannen besetzt ist, hat etwas Ausserordentliches, und wird es noch mehr, wenn man sich auf einer Stelle jenseits des Brückleins durch eine sich öffnende Spalte in dunkler schaudernder Tiefe nicht nur den Bach, sondern auch die Gegend, wo die Quelle entspringt, und wo ehemals das Gasthaus gestanden hat, zeigen lässt. Zu seinem Erstaunen bemerkt man es erst jetzt, dass man auf einem verdeckten grässlichen Abgrunde steht, und die Tamine unter seinen Füssen hat, deren tiefe Lage sich, wenn nicht das Auge sie bereits gemessen hätte, schon daraus abnehmen lässt, dass das Ohr in dieser Höhe keinen Laut von ihrem wilden Rauschen vernimmt. Ungeahndet von einem Fremdling, der plötzlich hieher versetzt wurde, eilet sie in der eine Strecke weit ganz verschlossenen, mit Wasen und Gebüschen bedeckten Felsenkluft, in welcher sie sich ihr Bett ausgehölet hat, als ein unterirdischer Bach fort, bis sie einige hundert Schritte weiter abwärts, an eben dem Orte, wo gegenwärtig die Badgebäude stehen, wieder an das Licht hervortritt. Doch wir kehren zu unserer Ruhebank zurück, um endlich selbst die Tiefe zu gewinnen. Der tiefigste, mit Buchen, Ahornen und anderen Bäumen und Stauden besetzte Weg, welcher dahin leitet, und für Saumpferde durchgehends breit genug ist, braucht hie und da wegen der Bergschlipfen viele Unterhaltung. Man ist nicht weit gekommen, so erblickt man das erstemal von dieser Seite die noch in einer beträchtlichen Tiefe an der Tamine liegenden Badgebäude. Ich sage von dieser Seite, denn wenn man jenseits vom Kloster herabkömmt entdeckt man sie früher, einmal vom Rande einer weit höhern Felsenwand, und wiederum zu oberst von der Stiege. Der Anblick ist überraschend sowohl wegen der Seltenheit der Lage, als der Beschaffenheit und dem guten Aussehen der Gebäude, dergleichen man in einem Abgrunde, wie dieser ist, keine erwartet hätte. Da man übrigens in einer beynahe senkrechten Linie auf sie hinabsieht, so ist es kein Wunder, dass sie sich unter ihren Dächern zu schmiegen, und wegen des von dieser Seite hervorstehenden Bergfusses kaum Raum für sich, geschweige denn für ein freyes Nebenplätzgen zu haben scheinen. Man findet aber, so bald man bis zum ersten mit Bänken versehenen Ruheplatz ob den Badhäusern, der von Altem her das Känzelein genannt wird, gekommen ist, dass nicht nur die zwey Gasthäuser mit der dazwischen liegenden Kapelle massiv von Steinen aufgebaut und geräumig genug ist, sondern noch einiger Raum vor denselben übrig geblieben ist, den man zum Theil in Form einer Terrasse geebnet, zu einem kleinen Spaziergange benutzt hat, und zum Theil noch weiter zu kleinen Anlagen benutzen könnte. Ueberhaupt konnten die Gebäude, weil nun einmal die eigensinnige Natur das vortreffliche Wasser in eine so tiefe Kluft hingesetzt hatte, ohne ausserordentliche Anstrengung und was noch mehr ist, ohne Gefahr den Endzweck derselben zu vermindern oder ganz zu verlieren, nirgends besser angebracht werden als so sie wirklich stehen. So fürchterlich oder traurig diese Lage auch scheint, so bietet sie doch auch, neben manchen physischen Vortheilen, worunter ich die reine und selbst in der schwülsten Sommerhitze erfrischende Luft, und die Abwesenheit von manchen sonst beschwerlichen Insekten zähle, dem Beobachter manche Schönheiten, viele Gegenstände der Bewunderung und Quellen erhabener Empfindungen an, die er anderswo vergebens suchen würde. Ist der schröckende Eindruck, der erste, welcher bey dem neu Angekommenen entsteht, aber bald wieder vermischt wird, vorbey, so sucht das Auge, an das Erschütternde besser gewöhnt, und findet endlich in dieser Kluft von Seiten der Natur eben so viele, wo nicht mehr Unterhaltung, als in mancher andern berühmten Gegend. Ich setze voraus, dass sich der Badegast, oder der Fremde, der hieher kommt, nicht zwischen vier Mauren einschliesse, sondern bey jeder schönen Witterung die kleine Mühe daran wage, um die an der Seite eines etwas nordwestlich zunächst hinter dem grossen Gasthaus liegenden Hügels, freylich ganz nur im ländlichen Styl angebrachten Spaziergänge, zu besuchen, um besonders von der höchsten Spitze aus durch manche wahrhaft romantische Aussicht belohnt zu werden. Für diejenigen Personen, welche nicht steigen, oder sich sonst nicht weiter entfernen wollen, finden sich auf diesen kleinen Exkursionen an den interessantesten Stellen im Schatten der Bäume geebnete Ruheplätze, die selbst zum Genuss des gesellschaftlichen Vergnügens einladen. Ein solcher Platz ist vorzüglich die so benannte Solitüde, wohin zu gelangen es auch für zärtliche Frauenzimmer nicht zu beschwerlich ist. Doch giebt es dergleichen Stellen noch nähere. Freylich zeiget sich nirgends keine Spur weder von gesuchter Pracht noch von verdeckter Kunst, sondern die blosse liebe Natur. Auf einer Seite abgeschnittene mächtige Felsenwände, überall mit Bäumen und darüber liegenden Wäldern bekränzt, mit Gruppen von Tannen und Lerchen besetzte Klippen und Absätze, auf welchen Ziegen weiden, die der Zuschauer mit Erstaunen längst der Felsenwand, wo kein Pfad vermuthet, und eben so wenig einer wahrgenommen wird, spielend hinwandeln sieht, darunter ein rauschender Steinbach mit seinen Krümmungen und Vertiefungen; auf der andern weniger steilen obschon bis zum Bache abschüssigen, bewaseten und belaubten westlichen Seite des Tobels, besonders auf der Höhe des von höhern Bergen abgesonderten Hügels, wo sich die Aussicht auf beyden Seiten des grössern Thals, und in die es begränzenden Berge erweitert, auch sanftere Gegenstände, Wiesen und Waiden, und Bäume und Büsche, zur Seite ein schattigtes einsidlerisches Thälchen mit einem Wäldgen bewachsen. Es bedürfte wirklich nur einiger Nachhilfe der Kunst, um dasjenige einigermassen zu ersetzen, was der Gegend an sogenannten lachenden Scenen abgeht, wenn man sie zu einer Art von englischen Garten umbilden wollte, dessen Parthien unnachahmlich wären.
Der Bergkessel, in welchem die Badgebäude stehen, von da an gerechnet, wo die Tamine aus der Felsenkluft hervorbricht, und sich die beyden Bergketten je länger je mehr von einander entfernen, bis dahin, wo die östliche Wand dem westlich liegenden Hügel nähert, indem sie sich gegen Norden herumkrümmt, und das Becken wieder so zu schliessen scheint, dass es kaum dem Bache den Ausgang gestattet, beträgt dennoch einige hundert Schritte in der Länge und lässt den Zimmern des längern Gasthauses, die auf seiner schmalen nördlichen Seite liegen, dem Laufe nach eine zwar eingeschränkte aber nicht unangenehme Aussicht.
Die entgegengesetzte südliche Seite des Badhauses ist in einem Abstande von sechszig bis achtzig Schritten gegen den engen Schlund gekehrt, aus welchem der Bach und die Wasserleitung hervortritt. Sie hat etwas melancholisch Erhabenes, das durch den, hervorbrausenden und sich zum Theil stuffenweise über Felsenmassen herabstürzenden Bach, durch die angebrachten Brücken, durch einen ebenen Raum jenseits des Baches, wo das zum Versenden bestimmte Wasser gefasset wird, und der überhangende Fels eine halbe Grotte bildet, endlich durch die über der Kluft schwebenden begraseten Plätze und Bäume, die man im Auge hat, und durch die Sonne, welche von dieser Seite länger dauert theils noch mehr erhoben, theils gemildert wird. Die vordern längern Seiten der Gebäude sind mit den Rekreationsgängen westwärts gegen den Berg gekehrt, an dem sich der Weg nach Valenz hinauf schlingt, und der, wenige Stellen ausgenommen, überall mit Gras, Bäumen und Stauden bewachsen ist.
Zunächst von dieser Seite des Gasthauses und des Zugebäudes liegt auch die Terrasse, deren ich schon gedacht habe, nebst einem sich darauf lehnenden Gärtchen. Wenn schon das Aushauen der Bäume an diesem Berge der Aussicht und Zugange des Lichtes beförderlich wäre, so verbietet dieses doch die Sicherheit vor Bergschlipfen, die sie mit ihrer Bewurzelung gewähren. Die östliche Seite der Häuser, auf welcher die Wohnzimmer, jene im Zugebäude und die Dachzimmer ausgenommen, durchgehends angebracht sind, ist der Tamine zugewandt, über welcher die Gebäude in noch ziemlicher Erhöhung auf einem festen Felsengrunde stehen, der, besonders hinter dem grössern Haus, noch einen, zwar abschüssigen, doch mit schönen Buchen und Ahornbäumen bewachsenen Raum lässt. Ueber dem Bache erhebt sich die feste Felsenwand in einer Entfernung von den Gebäuden, welche diesen vor etwa sich, besonders nach angehaltenem Regen, losreissenden Schieferstücken alle Sicherheit gewähret, aber dennoch einem Theile der Zimmer die Helle des Tages schmälert. Am schönsten zeiget sich die Felsenwand dem Brückgen hinter der Kapelle, welches die beyden Häuser mit einander verbindet, gegen über. Sie scheinet dort nicht nur am höchsten sondern ganz senkrecht zu seyn, obschon sich ihr Scheitel nach ältern Beobachtungen gegen hundert Schuhe zurückzieht. Die senkrechte Höhe vom Bache an beträgt an dieser Stelle, nach wiederhohlten Ausmessungen, über 660 Schuhe. Der Raum zwischen beyden Häusern öffnet gleichsam den Schauplatz zu dieser Scene, und der Bach, weniger gefangen, rauscht ruhiger vorbey.
Einzig in seiner Art aber ist das Grässlichschöne, wenn ich es so nennen kann, dass die Kluft darbiethet, durch welche das Wasser von seinem Ursprunge an über 680 Schritte weit bis auf die Trinklaube und in die Badgemächer geleitet wird. Reisende, welche seltene Schaustücke aus diesem Fache gesehn, und auch dieses zu betrachten Muth gehabt haben, gestehen einmüthig, dass ihm nichts Aehnliches in der ganzen Schweiz beykomme. So gefährlich der Zutritt dazu zuweilen auch beschrieben wird, so ist er es doch nur für Furchtsame.
Der Steig geht auf der östlichen Seite der Kluft längst dem Kanal hin, durch welchen das Quellwasser herausfliesst, und ist so wie dieser, wo es nur seyn konnte, in dem ausgesprengten Felsen selbst angebracht. Wo dieses wegen starker Aushöhlung des Felsen nicht angieng, sind feste eiserne Stangen und Träger, hie und da auch nur hölzerne Joche tief in den Felsen eingelassen, auf welchen die Bretter ruhen. Da wo man wirklich auf diesen Brücken, und nicht auf dem Felsen selbst geht, liegen überall zwey Bretter neben einander, eine einzige Stelle ausgenommen, wo man auf ein einzelnes treten muss. Nicht nur alle Frühjahre, wenn die Kanäle und die Brücken wieder gelegt und ausgebessert werden, sondern jeden Sommer über wird der Zustand der ganzen Anrichtung untersucht, und es muss den dazu bestimmten Werkleuten natürlicher Weise eben sowohl als dem Kloster daran gelegen seyn, dass die Untersuchung mit aller Genauigkeit geschehe. Lehnen sind freylich keine vorhanden, und können keine angebracht werden, weil sie, dem Zwecke dieser Brücke entgegen, den Arbeitern ganz hinderlich wären, die Last vermehren, und sogar dem Neugierigen eine nur sehr zweydeutige Sicherheit gewähren würden. Am rathsamsten ist es, dass man nicht furchtsam aber bedächtig, bey schöner trockener Witterung, am hellen Mittage das Abentheuer bestehe, und sich einen kundigen Führer, dergleichen man im Bade immer haben kann, vorgehen lasse.
Kaum ist man durch die Thüre, welche Unvorsichtigen den Weg verschliesst, hereingetretten, so nähern die links und rechts emporsteigenden, kahlen, hoch über dem Haupt überhängenden Felsen in hundert abwechselnden Gestalten und Wendungen sich je mehr und mehr, bis sie sich stellenweise und endlich ganz schliessen, um ein kaum dämmerndes Licht durchzulassen, indessen der schäumende Bach tief unter den Füssen des Wanderers im Abgrunde der Felsenkluft, gegen den Zwang sich sträubend, der Freyheit entgegen brauset, die er, sobald er sie gefunden hat, nicht selten mit Verwüstungen befleket. Die dunkle Halle, die mächtigen Gewölbe, das Urbild eines gotischen Doms, die zwischen der Zusammenfügung der Felsen gleich Schlusssteinen eingeklemmten Felsenmassen, welche man über sich schweben sieht; das feyerlich düstere Tageslicht, dem kein anderer Zutritt als hie und da durch eine Oefnung gestattet wird, die gleichsam im Giebel einer erhabenen Kuppel angebracht ist, und an deren Rande sich Aeste von Bäumen und Tannen wiegen; das dumpfe Rauschen des Baches, worinn das Ohr die volle Harmonie eines Chors zu vernehmen wähnt; alles erfüllet den Geist mit Bewunderung und Erstaunen, und stimmet das Gemüth zu einer Fassung, die nahe an die Ehrfurcht gränzt.
Um aber einen völligen Begriff von der Beschaffenheit dieser Kluft zu geben, muss ich noch folgendes anmerken. Das Brückgen neben dem Kanal ist meistens dreysig und mehr Schuhe über dem Bach erhaben. In dieser Höhe beträgt die Weite der Kluft von einer Seitenwand zur andern dreysig bis vierzig Schuhe, sie nimmt aber in der Tiefe des Baches über die Hälfte ab. Die sich hie und da über zweyhundert Schuhe hoch erhebende Seitenwände mit ihren manigfaltigen Krümmungen, Flächen, Gräthen und Feldern scheinen glatt, wie von einem grauen Tust inkrustiert, indessen der vom Wasser bespühlte hervorstehende Fuss sich deutlich als ein schwarzer mit weissen Adern durchzogener Marmor auszeichnet. Ueberall glaubt man Spuren des seit Jahrtausenden an diesem Felsen nagenden Baches zu erblicken, besonders an Stellen, wo derselbe kleine Fälle und Wirbel bildet, von welchem her Vertiefungen und Aushöhlungen in der Felsenwand entstanden sind, die man bis zu einer ziemlichen Höhe bemerkt. Die grösste und merkwürdigste ist unstreitig diejenige, welche man antrift, nachdem bereits mehr als drey Viertel des Weges zurück gelegt sind. Sie liegt der Brücke gegen über auf der westlichen Seite der Kluft, und man würde sie vielleicht für ein Werk der Kunst halten, wenn sie sich an einem andern Orte fände, und das Wasser nicht auffallende Spuren seiner Wirkung an ihr zurück gelassen hätte. Diese Grotte, von vornen gleich einer Nische ganz offen, ist Ey- oder vielmehr Kegelförmig ausgehölt; an ihrer Basis, die sich jetzt drey bis vier Schuhe über die gewöhnliche Bachhöhe erhebt, beträgt die Vertiefung 28 Schuhe, die Breite 35, die Höhe wird auf 24 Schuhe angegeben, aber die Spur vom Wasser erstreckt sich viel höher. Diese merkwürdige Grotte ward bey ihrer Entdeckung 1630 von dem damals regierenden Fürstabt Jodocus zu einem Andachtsorte ausersehen, der h. büssenden Magdalena gewiedmet, und nach ihr benennt, mit dem Vorschlage einer Brücke hinüber zu legen, den Fussboden zu ebnen, und Alles das anzubringen, was zum Wesen einer Capelle erfordert wird, die, wenn sie zu Stande gekommen wäre, ihres gleichen schwerlich irgendwo gehabt haben würde. Die Schwierigkeiten des Ortes, der Lage, des Zugangs, nebst der Unsicherheit wegen des im Sommer zuweilen hoch aufbrausenden Baches scheinen die Ausführung verhindert, und sogar den Namen, der kaum schicklicher seyn könnte, in Vergessenheit gebracht zu haben. Die Kluft ist übrigens auch über dieser Höle in beträchtlicher Höhe ganz zugeschlossen und erhält nur von der Seite gegen die Quelle und durch einige Ritzen und Oefnungen im Gewölbe etwas Licht. Etwas mehr nordwärts befindet sich in einer Höhe vom Bache von mehr als 290 Schuhen die festeste und vollkommenste Zusammenfügung der Felsen, welche nicht nur von jeher den Anwohnern einen sichern Uebergang über das fürchterliche Tobel gestattete, sondern ihn sogar Lastwägen gestatten würde. Eben dieser Ort wird darum von Alters her der Beschluss genannt, und an dieser Stelle ist auch das sogenannte Brückgen angebracht, dessen ich oben bei dem Wege auf Pfeffers gedacht habe.
Man hat die eben beschriebene Grotte nicht so bald verlassen, so fängt das Felsenwerk auf beiden Seiten des Baches sich etwas zu öffnen an, und man tritt, nun bald am Ziele seiner Reise, in den aufgesperrten Schlund, wo das Wasser entspringt, und vor Altem die Bäder und Gasthäuser selbst gestanden hatten. Man würde das Letzte, und nicht weniger die Möglichkeit eines sichern Zuganges für unmöglich halten, wenn nicht beides wirklich da gewesen wäre. Der ganze Aufwand von Erweiterung besteht in einem eyförmigen, freylich sehr hockerichten Becken, in einer siebenhundert Schuhe tiefen Bergkluft, dessen Länge dem Bache nach von Norden nach Süden man ungefähr auf 40, die Breite auf 16, und in der Höhe der ehemaligen Bäder auf 50 Schritte berechnen kann. In seiner Mitte, wo die Quellen liegen, ist die Oeffnung am weitesten, und lässt uns ein Stück des Himmels sehen; gegen Süden treten die Wände schon wieder näher zusammen, so dass es scheint, als wenn man mit einem Sprung über sie weg setzen könnte. Auf beiden Seiten schweben am Rande abgeschnittener Felsen und gäher Abstürze, die sich nur hie und da durch sanftere Abhänge höher erheben, Tannen, Buchen und mancherley Staudengewächse, welche besonders auf der Westseite in einem Wald sich vereinigen. Gegen Süden fällt in einiger Entfernung und von beträchtlicher Höhe ein Staubbach herab, der so oft ihn die Sonne bescheint, welches nur um die Mittagszeit Statt hat, einen schönen Regenbogen bildet. Linker Hand auf der Morgenseite dieses Schlundes liegen die warmen Quellen, deren Abfluss sich durch den aufsteigenden leichten Dunst verräth, so wie der Reichthum der Quellen selbst durch eben diese Abflüsse verrathen wird. Nur die grösste und unterste derselben, welche neun bis zehn Fuss über den Bach erhaben ist, und der Kessel heisst, wird zur Herausleitung durch die enge Kluft benutzt; denn diese allein, die mehr als stark genug wäre, ein Mühlenrad zu treiben, versieht gegen 80 Röhren, durch welche in jeder Minute nicht weniger als 1400 gemeine Maass Wasser in die sämtlichen Bäder fliessen, und noch rinnt ein grosser Theil des Wassers als überflüssig gleich bei der Quelle in den Bach. Sie wird in einer in den Felsen ausgehauenen vornen gemaurten und mit einer Thüre verwahrten Grotte gesammelt, welche bergeinwärts über 24 Schuhe in der Länge, 4 Schuhe in der Breite, von dem Balken, auf welchem man hineintretten kann, Manneshöhe, und eben so viel wenigstens unter demselben Tiefe hat. Man geht mit einem Licht versehen hinein, und muss es sich gefallen lassen, von dem heissen Dampf wie in einer Schwitzstube ganz durchseuchtet zu werden. Die Wärme des Wassers ist 31 Reaumürische Grade, wovon bis in die Bäder höchstens ein Grad, bei schöner trockener Witterung nur ein halber verlohren geht. Von aussen ist der Felsen, über den das Wasser abläuft, mit dem schönsten grünen Brunnenmoos bedeckt. Merklich höher an dem abhängigen Felsen quollen, und quellen zum Theil noch izt, obwohl nicht so beständig, mehrere Wasseradern von gleicher Art hervor. Ueberhaupt scheint das Gebirg auf dieser Seite, das ohne das Schiefericht ist, ganz mürbe, nach und nach theils vom Dampfe, theils von dem Bespühlen des warmen durchdringenden Wassers selbst aufgelöst zu werden, und daher grossen Veränderungen unterworfen zu seyn. Mit Verwunderung und einer Art Schauer sieht man noch, ehe man diesen Ort verlässt, die Stelle, wo vor Zeiten die Badehäuser gestanden sind; man bemerkt noch die in den Felsen eingehauenen Löcher, in welchen die von einer Wand zu andern quer über den Bach gelegten Tragebalken eingelassen waren, worauf diese Häuser gegen 40 Schuhe hoch über demselben schwebten, und indem man sich alles Ungemach und alle Gefahren einer so traurigen Wohnung vergegenwärtiget, stimmet man gerne in das Lob und in den Dank ein, welche seine Zeitgenossen dem menschenfreundlichen und kühnen Abte der die Herausleitung der Quelle und die Versetzung der Häuser an einen sicherern und bequemern Ort beschloss und vollführte, gezollet haben.
Die Pfefferserquelle hat wie schon oben bemerkt worden ist, ihren Namen von der eine halbe Stunde weiter vorwärts auf einer angenehmen Höhe liegenden Benediktiner-Abtey Pfeffers, welcher sie auch eigenthümlich zugehört. Im Anfange des achten Jahrhunderts war das Kloster von einem Bischoffe Namens Pirminius, der nachher unter die Zahl der Heiligen versetzt worden ist, gestiftet. Die Gegend, welche bis dahin ganz wild und öde gewesen seyn musste, wurde nun theils durch diese Eremiten selbst, theils durch Ansiedlung anderer herbeygelockter Colonisten urbar gemacht; es wurden Wälder ausgerottet, und der Boden so weit cultivieret, als es die Lage zuliess; eine Gutthat wodurch sich dieser religiöse Orden fast überall ausgezeichnet hat. Dreyhundert Jahre nachher, nämlich im Jahr 1038 ward einigen Nachrichten zufolge die Quelle gefunden, obschon andere diese Entdeckung lieber in das Jahr 1240 setzen. Gewiss ist es, dass vom Jahr 1300 an ununterbrochene Spuren von diesem Bade in den Pfefferser Archiven angetroffen werden. Der Entdecker soll ein fürstlicher Jäger, Namens Carl aus dem Geschlechte der von Hohenbalken gewesen seyn. Wer wird nicht glauben, dass die Anstalten dieses Wasser an den ungeheuren Orte zu gebrauchen, anfangs sehr geringfügig gewesen seyen; aus dem, was Malleolus erzählt, der um das Jahr 1424 schrieb, scheint zu erhellen, dass damals zwar eine Gelegenheit zum Baden, aber in der Kluft selbst noch kein Haus zur Bewirthung vorhanden war. Nachdem er nämlich denjenigen, welche die Cur gebrauchen wollen, erzählt hat, wie man sechs bis sieben Tage lang ununterbrochen im Bade sitzen zu bleiben, darinn zu essen und zu schlafen pflege, eine einzige Nacht dazwischen ausgenommen, wo ausserhalb einmal der völligen Ruhe gepfleget werde, fügt er sogleich hinzu, dieses geschiehe darum, weil das Hinaufsteigen aus der Kluft so wie das Heruntersteigen wegen des steilen Weges und der hängenden Leiter so äusserst schauderhaft und gefährlich sey. Noch später hin wo schon ein Gasthaus in der Kluft selbst angebracht war, musste man, wie die Tradition sagt, sich zum Theil an Stricken hinablassen, und durch eine Oefnung des Daches in das Haus kommen. Und wenn auch in den folgenden Zeiten der Zugang durch Sprengung des Felsen und durch eingehauene Treppen etwas verbessert worden ist, so blieb er dessen ungeachtet noch immer scheuslich genug, und für furchtsame oder Schwindel behaftete Leute ganz unbrauchbar, indessen sich andere mit verbundenen Augen und an einen Sessel geheftet mussten ins Bad tragen lassen. Diesem Uebel, so gut es die Umstände gestatten konnten, abzuhelfen, das Herabsteigen an einem gelegenen Orte, und durch unmerklichere Senkung zu erleichtern, liess der Fürst Abt Johann Jacob Russinger von Rapperschwiel, im Jahr 1543 mit grossen Unkosten eine über 50 Schritte lange hölzerne Brücke von der Südseite her längst dem Bache hin, und in einer Höhe von 90 Klaftern über demselben, anlegen, von der die Tragebalken in den lebendigen Felsen eingelassen und befestiget waren; von der Valenzer Seite konnte man sich ihr bis auf 60 Schuhe, von der entgegengesetzten aber nicht näher als auf hundert Klafter mit Pferden nähern, und die Brücke selbst war auch für grosse Lasten fest genug. Dadurch ward nun freylich der Zutritt sicherer, aber dennoch wegen des Abgrundes, über dem man schwebte, und hie und da wegen des Schwankens der Brücke für die meisten Menschen abschröckend genug. Doch alle Schrecken übertraf noch die gefährliche Lage des Bades und der Gasthäuser selbst, die mehr als einmal von plötzlich herabrollenden Felsen und andern Massen beschädiget, und endlich ganz zerschmettert wurden. Wirklich ist es zu bewundern, dass man, ungeachtet der langen Zeit, während welcher die Umstände die nämlichen blieben, von keinem Beyspiel weiss, dass Menschen bey solchen Unglücksfällen stark beschädiget worden wären, oder gar ihr Leben eingebüsset hätten. Könnte es aber auch einen überführenden Beweis von der beobachteten vorzüglichen Heilkraft dieser Quelle geben, als dass sie, ungeachtet aller dieser abschröckenden Hindernissen, dennoch alljährlich von einer Menge naher und entfernter Gäste, und das zwar nicht selten aus den höhern Ständen besucht wurde. Dieses Zeugnis bewog auch die Besitzer des Bades nicht nur die mühsame Unterhaltung und öftere Wiederherstellung der wegen der Lage sehr hinfälligen Gebäude fortzusetzen, sondern mit Ernst daran zu denken, ob und wie es, die grossen Unkosten nicht gerechnet, möglich wäre, das Wasser ohne Abgang seiner heilsamen Eigenschaften, besonders der Wärme, an einen sichern Ort zu versetzen. Mit diesem Vorschlag beschäftigte sich im vorigen Jahrhundert besonders der Fürst Abt Jodocus Höslein von Glarus. Das Wasser vermittelst eines Pompwerkes in die Höhe zu treiben, fand man wegen des unstäten wilden Baches, der in Anfällen von Wuth oft mächtige Steine rollt, und ganze Holzlasten herbeyschwemmt, nicht für anwendbar; es blieb daher nichts übrig, als einen Weg zu suchen, durch den man es längst der Tamine weiter abwärts an einen ofnern Ort bringen könnte. Man hatte den Ort ausgefunden, und das Werk ward 1630 im May glücklich vollführt. Zur Beschleunigung dieses zum Theil gewagten kostbaren Unternehmens trug vieles bey, dass das untere Gasthaus mitten im Winter des Jahres 1629 durch einen entstandenen Brand verzehrt wurde, nachdem das obere fünf Jahre vorher ebenfalls im Winter von einem herabstürzenden Felsenblock in den Abgrund gestürzt worden war.
Der Platz, eben derjenige auf welchem heut zu Tage die Badgebäude stehen, ward nun durch Sprengen, Abtragen und Verebnen möglichst erweitert, und das erste Gasthaus über den Bädern selbst errichtet, das aber seitdem beträchtlich verändert, und erst nach Erbauung des grössern Gasthauses ganz massiv von Steinen ausgeführt worden ist. Zu Anlegung eines neuen grössern Gasthauses ward das Kloster durch die seit der Versetzung der Quelle und dem gemeiner gewordenen eben so heilsamen Trinkgebrauch des Wassers immer zunehmende Menge von Curgästen aufgemuntert. Sie konnten nicht mehr alle in dem einzelnen Hause beherberget werden, und mussten sich mit einem Quartier in Valenz behelfen, welches für die meisten, besonders aber für solche, welche die Badecur gebrauchten, höchst unbequem war. Dies geschah besonders zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Damals regierte Bonifacius der erste dieses Namens, Tschupp von Geschlecht, aus dem Kanton Lucern. In den neunziger Jahren hatte dieser Fürst den Bau des Hofes und der Kirche vollendet, die 1665 durchs Feuer verzehrt worden waren, als er 1704 das grosse Gasthaus, wie es gegenwärtig ist, zu gründen und zu bauen anfieng. Der Tod überraschte ihn, ehe er sein Werk zu Stande gebracht sah, im Jahr 1707. Sein Nachfolger Bonifacius der zweyte zur Gilge von Lucern, führte den Bau fort, und vollendete solchen 1711, in welchem Jahre auch das kleine Haus samt der Kapelle angefangen, und 1716 vollendet wurde. Eine Hauptverbesserung hiebey war die neue Abtheilung der Badgewölbe, deren nun, statt zwey allgemeiner für die beyderley Geschlechter, wie sie vormals waren, sechs abgesonderte zur Bequemlichkeit für verschiedene Classen von Gästen angelegt wurden. Ohne grosse in die Augen fallende Veränderungen vorzunehmen, ward in der Folge bis auf gegenwärtige Zeit nicht nur die erste Anlage in gutem Stande erhalten, sondern hauptsächlich auch für die innere Einrichtung gesorget, und manches zum Nutzen und zur Bequemlichkeit der Badgäste von Zeit zu Zeit angeordnet, eine Aufmerksamkeit die noch immer ununterbrochen fortgesetzt wird. So ist im Jahr 1758 von dem Fürsten Bonifacius dem dritten, Pfister von Duggen aus der March, das oberste Geschoss in dem Zugebäude aufgeführt, und ausser dem, dass es die Bequemlichkeiten eines schönen und geräumigen Wohnzimmers hat, den Protestanten zu einem anständigen Versammlungsort für ihren Gottesdienst bestimmt worden. Unter der Regierung des gegenwärtigen Fürsten Benedictus hat das Bad besonders auch an der innern Oekonomie, an besserer Bedienung und Bewirthung der Gäste, und manchen nützlichen Veranstaltungen vieles gewonnen, und wird wahrscheinlich noch ferner gewinnen; auch lässt es der jetzige Baddirector, Borler, weder an Aufmerksamkeit noch an Fleiss fehlen, so viel in seinem Vermögen steht, zur Befriedigung und zum Vergnügen der zu bewirthenden Personen mitzuwirken. Durch ihn sind die Anlagen zu einigen Spaziergängen und Ruheplätzen veranstaltet worden, welche, so gering sie auch sind, dennoch schon vieles zur angenehmen Abwechslung und zur Erquikung der Curgäste beygetragen haben. Die Bedürfnisse der Zeiten ändern sich, wie die Zeiten selbst, und manches was vor einem Jahrhundert gut genug war, ist es heut zu Tage nicht mehr. Dieser Mangel wird besonders der geringen Meublirung der Zimmer vorgeworfen; es sind aber auch schon Anstalten getroffen, demselben nach und nach abzuhelfen.
Zusatz. Von der innern Einrichtung dieses Bades fügen wir noch folgende Nachrichten bey ((aus dem Jahr 1791)):
Das Badhaus hat Raum für dreyhundert im höchsten Nothfalle selbst für vierhundert Menschen. Da die Cur eine genaue Diät erfordert, so ist die Wirthstafel mässig, des Mittags mit sechs, des Nachts mit vier Speisen besetzt. Die Person bezahlt dafür 36 kr. Der Preis für die Person an der Bedienten-Tafel aber ist 26 kr. Die besseren Gattungen inländischen Weins kosten 18-40 kr. Doch hat man auch geringere Gattungen, der Preis der Zimmer ist sehr verschieden. Für die Gemeinen zahlt man wöchentlich 1 fl. 12 kr. in den Eckzimmern aber 2 fl. 12 kr. für die Person. Es giebt Zimmer um 3 fl. und gegen Ragaz hin von 10 fl. mit Einschluss des Bettes. Die gemeinen Zimmer haben drey Better, die Eckzimmer auf den drey Boden gegen Ragaz im grossen Haus vier Betten und vier Nebenzimmer. In den Eckzimmern mit vier Betten zahlt man 9 fl. in den drey nächst darauf folgenden äussersten Zimmern gegen Ragaz hin mit drey Betten 7 fl. in den zwey langen und den drey Fürstenzimmern für fünf Personen 13 fl. in den Eckzimmern im kleinen Haus mit drey Betten 8 fl. in den Nebenzimmern mit drey Betten 7 fl. in den Eckzimmern der obersten Gänge beyder Häuser mit 2 Betten 4 fl. in den übrigen Zimmern mit 2 Betten 3 fl. 12 kr. Eine Person muss nie mehr als die bestimmte Taxe bezahlen; wollen mehrere beysammen wohnen, so müssen die überzähligen auch die gleiche Taxe zahlen. Es sind mehrere Mägde zur Bedienung der Gäste in den Zimmern da. Jede erhält von dem Gaste, welchen sie bedient, des Tages vier Kreutzer.
(Quelle: Archiv kleiner zerstreuter Reisebeschreibungen durch merkwürdige Gegenden der Schweiz. St. Gallen, 1796-1802)