Gungelserberg / Gunggels / Kunkels in dem Oberen oder Grauen Pundt / gibt den Pass aus dem Sarganserland in Pündten: diesen Pass habe den 13. Augstm. 1703 höher befunden als Vettis 800 und als Zürich 1720 Schuh.
(Quelle: Helvetiae stoicheiographia. Orographia et Oreographia. Oder Beschreibung der Elementen/Grenzen und Bergen des Schweizerlands. Der Natur-Histori des Schweitzerlands. Erster Theil. Johann Jakob Scheuchzer. Zürich 1716)
Der Gungelserberg / worüber ein Strass auf Pfäfers / und die Graffschaft Sargans von Damins führet / ist ein breit / und theils Orthen sehr hoches Gebirg; deme auch die heissesten Sonnen-Straalen die weisse Schneefarb beständig lassen müssen.
(Quelle: Helvetiae stoicheiographia. Orographia et Oreographia. Oder Beschreibung der Elementen/Grenzen und Bergen des Schweizerlands. Der Natur-Histori des Schweitzerlands. Erster Theil. Johann Jakob Scheuchzer. Zürich 1716)
… Reizend ist die Umgebung von Vättis. Das Dörfchen liegt am Fuss einer alten Gletschermoräne in so geschützter Lage, dass hier auf 997 M. noch Obstbau betrieben wird. Weithin breitet sich das grüne Wiesenthal aus und steigt langsam gegen die Höhen von Kunkels, von wo aus ein steiler Pfad durch die zerrissenen Felsenmassen nach Tamins und Reichenau hinabführt. Auf der rechten Seite kehrt der Calanda seine abgebrochenen Schichtenköpfe dem Thale zu und steigt desshalb in zerrissenen senkrechten Wänden auf, über welche die Spitzen kühn und scharf geschnitten herabschauen. Auf der linken Thalseite steigen die Vorderstufen der Ringelspitze und der grauen Hörner in ähnlichen steilen Felsenmassen auf, welche Gletscher tragen, zwischen ihnen wie eingesprengt öffnet sich das Calfeuser Thal.
(Gottfried Theobald: Naturbilder aus den Rhätischen Alpen. Ein Führer durch Graubünden. 2. Aufl. Chur 1862, S. 63f.)
Der Lauf des alten Rheins: … Aber nicht nur der innere Bau, auch die äussere Gestalt unseres Clubgebietes weist sehr bemerkenswerthe Erscheinungen auf. Wer hinaufwandert durch das Taminathal über Vättis gegen den Kunkelspass, der würde, wenn er es nicht aus den Karten anders erkannt hätte, südlich des Kunkels keinen Absturz erwarten, sondern eine allmälig südlich ansteigende Fortsetzung des Thalbodens von Vättis und Kunkels. Indessen wird ihm auffallen, dass beim Dorfe Kunkels, wo wir uns in einem gewaltigen Hauptquerthal der Alpen zu befinden denken, kein entsprechender Fluss, nur ein schwacher Bach vorhanden ist. In der That bildet der Thalboden vom Kunkelspass bis Vättis, zusammen mit den Terrassen von Valens und Dorf Pfäfers ursprünglich die Fortsetzung des Thalbodens von Schams. Ein alter westlicher Stammrhein ergoss sich aus Schams, und nachdem er etwa 700 m hoch über dem jetzigen Reichenau den Vorderrhein aufgenommen hatte, über den Kunkelspass nach dem Walenseethal durch den Greifensee und das Glatthal hinab in den untern Rheinlauf. Hier, wie so oft, sind die alten Thalläufe vielfach zerstückelt worden. Der Ostrhein schnitt über Reichenau dem Westrhein in die Seite, lenkte ihn ab, und es folgte die Vertiefung vom Niveau des Kunkelspasses nach Reichenau hinab.
Durch diesen Entzug an ausspülendem Wasser wurde das alte Westrheinthal im Gebiete von Kunkels bis Pfävers in der Ausspülung todt gelegt. Weiter unten schnitten die alte Zürichseesihl und die Linth wieder ein Stück aus dem alten Westrhein hinaus und rissen dasselbe an sich, während das Glatthal als der letzte, ebenfalls in der Vertiefung absterbende Rest, den Fuss des alten Westrheinthales darstellend, zurückblieb. Das gewaltige Thalstück Kunkelspass-Pfävers ist also ein ausser Betrieb gesetztes Stück eines alten Hauptflusslaufes des Westrheines, es ist ein Thaltorso, denn Kopf und Beine sind ihm jetzt durch andere Flussläufe abgeschnitten, nur ein Arm, die Tamina, ist noch am Torso geblieben.
Die Art und Weise, wie unser Thalstück Kunkels-Pfävers aus dem alten Westrheine ausgeschaltet worden ist, findet ein auffallend ähnliches Gegenstück in dem aus dem alten Ostrheine ausgeschalteten und dadurch ebenfalls in der Austiefung zurückgebliebenes Thalstück Lenz-Lenzerheide-Parpan-Churwalden-Malix.
Unserem Thalstummel blieb einzig noch ein kräftiger westlicher Seitenfluss treu. Das ist das Kalfeuserthal mit der Tamina. Freilich kann auch sie sich nicht mehr in den alten Stammvater Westrhein ergiessen. Derselbe besteht als solcher gar nicht mehr. Sie ergiesst sich in den Sieger im Wettkampfe der Thalbildung, den Ostrhein, und trifft hier wieder zusammen mit ihren Schwestern, den Wassern aus Rheinwald, Avers und Schams, die schon vorher auch dem Adoptivvater Westrhein zugewendet worden waren. Die Tamina leistet, was sie kann, um den von ihr durchströmten Theil hinabzuvertiefen auf die neuere Ausspülungsbasis, welche ihr durch ihre jetzige Mündungsstelle gegeben ist. So hat sie die Taminaschlucht beim Bade Pfävers eingeschnitten, und die Verwitterung arbeitet an der Abschrägung der Wände und der Erweiterung des Einschnittes. Die für Ausspülungen im Felsen durch einen geschiebeführenden Fluss so bezeichnenden glatten concaven Erosionskessel sind bis hoch oben an den Schluchtwänden stellenweise noch zu erkennen. Im Vereine mit den alten Kieslagern, die bis auf den alten Thalboden hinauf sich finden lassen, beweisen sie das allmälige Einsägen durch den Fluss.
Im Kunkels- und Taminathal in seiner jetzigen Gestalt liegt uns somit ein merkwürdiges Stück Thalgeschichte vor, dessen einzelne Abschnitte durch genaues Verfolgen der Terrassen und Thalstufensysteme ermöglicht war. Wir konnten hier nur das Resultat in kurzen Zügen aufführen.
(Quelle: SAC Jahrbuch XXIIII 1888_89. Albert Heim)