Sektion Alvier. Dieser Benjamin des S. A. C. hat bereits die Knabenschuhe angezogen und damit eine Bummeltour nach dem altbekannten Eisenbergwerk am Gonzen ausgeführt. Bummeltour kann man sagen der Zeit nach, denn Bergtouren beginnen gewöhnlich nicht erst Morgens 9 Uhr und finden schon Abends 6 Uhr ihren Abschluss. Aber auch einer solchen Tour kann eine schöne und lehrreiche Seite abgewonnen werden, es braucht nicht immer 10,000 Fuss über dem Meer zu sein.
Morgens 9 Uhr versammelte sich in Trübbach eine muntere Schaar Klubisten und Naturfreunde und nach einem obligaten z’Nüni gings dem Gonzen zu durch schöne Wiesen, Weiden und Maienberge mit reizender Aussicht auf das ganze Rheingebiet vom Bodensee bis über Zizers hinaus, das schöne Thal und die Festung Luziensteig, darüber hinaus auf die Rhäticonkette nebst dem schneebedeckten Gebirgsstock der grauen Hörner etc. Es war überhaupt ein erhabener Anblick.
Gemächlich, aber festen Schrittes gings etwa 2 Stunden auf einem guten, jedoch steilen Wege den Berg hinan, dann musste eine Schwenkung nach links gemacht und der Weg verlassen werden; durch eine Alp und ein Wäldchen gings der schroffen Felswand, dem Gonzen zu. Auf einmal befand sich die Gesellschaft über einem hohen Abgrunde und musste über drei, an den Felsen befestigte Leitern senkrecht hinunter steigen, dann noch einen mehrere hundert Fuss langen in den Felsen eingehauenen Fussweg passiren und gelangte so zu der Knappenhütte. Glück auf! riefen uns die anwesenden Knappen entgegen und empfingen uns auf’s freundlichste. Hütte, Wände, Mobiliar, Kleider und Menschen, alles ist vom Eisenstaub roth gefärbt. Nachdem die nöthigen Verhaltungsmassregeln mitgetheilt waren, wurde jedem eine starke Oellampe an die Hand gegeben und so gings dem etwa 100 Fuss ob der Hütte gelegenen Stollen zu. Die Lampen angezündet, die Thüre geöffnet und hinein gings in den Felsen, in das über tausend Jahre alte Bergwerk, wo schon zu «Heiden»- und Römerzeiten das Erz mit unendlicher Ausdauer heraus gemeiselt und gebrannt wurde. Ein sehr schmalspuriges Schienengeleise, auf welchem mittelst kleinen aber starkgebauten Rollwagen die gewonnenen Erze hinaus befördert werden, führt etwa 20 Minuten weit waagrecht in das Herz des Gonzen. Rechts und links befinden sich Seitengruben, alle sind östlich abfallend und zum grössern Theil aus jenen Zeiten stammend, wo die Kraft des Pulvers noch nicht bekannt war, theils aber auch gegenwärtig im Betriebe stehend. Die Erzschichten liegen von 3 ½ bis 4 ½ Fuss Dicke in vereinzelten Schichten und müssen oft bis 20 Fuss durch Aussprengen des wilden Kalksteines aufgesucht werden. Ein Sprengschuss, der den Besuchern zu Gefallen abgefeuert wurde, entwickelte ein anhaltendes dumpfes Donnern und man meinte fast, der ganze Berg sei darüber erzittert.
Nach 2stündigem Aufenthalt in diesen unterirdischen Räumen kam die Gesellschaft wohlbehalten wieder an die Tageshelle und begab sich auf einem ordentlichen Wege, auf welchem die Erze auf Schlitten zu Thal gebracht werden in das Sarganserland hinunter, wo dann, über das Gesehene sich freuend, die ganze Tour noch einen recht gemüthlichen Abschluss fand.
Der Besuch dieses Bergwerkes darf Jedermann mit Recht empfohlen werden, nur möchten wir darauf aufmerksam machen, dass es viel lohnender wäre, an einem Werktage dorthin zu gehen, wo die Knappen an der Arbeit sind und wo der geologisch vollständig gewandte und erfahrne Bergmeister auch anwesend ist.
(Quelle: Alpenpost 1873)
Gonzen, Gonze, Gunzen, Gunze, Gunza?
Die Dufourkarte zeigt Gonzen; die neueste Siegfriedkarte Gonze mit Vokalendung, in der durchweg hervortretenden guten Absicht, die Ortsnamen phonetisch richtig zu fixieren, d. h. so zu schreiben, wie sie von den Ortsbewohnern wirklich gesprochen werden. Mit «Gonze» ist aber doch nicht ganz das Richtige getroffen. In ältern Werken findet man Gunzen, Gunze, Gunza. Die phonetisch allein richtige Schreibart ist Gunza. Alles andere ist fälschliche, sprachwidrige Verschriftdeutschung eines jedenfalls nicht deutschen Namens. (J. B. S.)
(Quelle: Alpina 1895)
Neue Bergfahrten. Gonzen.
Besteigung von Süden, 23. Oktober 1920. H. Schmid mit Walter Risch.
Vom sog. «Wang» am Gonzenweglein nach links horizontal über den Gitziwang und über die tiefe Schlucht, die beim alten Ausgang des Bergwerks senkrecht zum Wald abfällt. Ueber dachziegelartig abfallende Plattenschüsse zum «Gang» hinüber. Dieser, teilsweise mit Gras bewachsen und gut begehbar, quert die ganze Wand von O. nach W. und endigt an deren westlicher Kante. (Schon früher auf der Gemsjagd begangen). Westlich einer kleinen Höhle über einige sehr griffarme Stellen empor. Dank starker Legföhren gute Sicherung. Man erreicht eine bewaldete Schulter am Fusse des letzten senkrechten Absatzes. Auf einem Grasband links westlich ausweichend, etwas abwärts, an einer niederen Stelle des Absatzes sich an herabhängenden Legföhren hinaufziehend leicht zum Gipfel. (5 Std. vom Einstieg)
(Quelle: Alpina 1924)